11. Juli 2025

Ein Mensch - dreimal.

Ich bin erkältet, nicht schlimm, aber etwas wehleidig und wurde liebevoll dazu angehalten, wenigstens EINmal kurz in den Garten und die Peripherie auf und ab zu gehen. Erst wollte ich nicht mal das, weil die Matschbirne laut "Was soll das bringen? Anstrengend!" usw. etc. pp genörgelt hat, aber dann dachte ich, was soll's, raus tut immer gut, ich gehe eine kleine Runde durch die Nachbarschaft. Und ja, war super [eh klar], es wurden sogar 2km, fast durchgängig im Schatten [ist schon ~18:30 gewesen] und mit angenehmen 22° und bisschen lauem Wind.

Beim Gehen hab ich viel darüber nachgedacht, wie ja jede*r Mensch, der*die mir entgegenkommt, die ganz eigene jeweils aktuelle Kontext-Wolke um sich hat - sei es Freude oder Sorge oder die Einkaufsliste oder auch die Familienplanung. Sowas rückt mir immer den Kopf zurecht, wenn ich mal wieder glaube, dass NUR ICH gerade so nervige Augenblicke/Stunden/Tage hab und es ALLEN ANDEREN [jaja] voll gut geht und die mit ihren Freund*innen lustig in der Gegend herum halt ... freundlich sein können.

Ein Mitte 30jähriger Typ hat sich mir heute irgendwie besonders eingeprägt und ich hatte sofort Bock bzw. die Idee im Kopf, ihm drei verschiedene Hintergründe anzudichten. Er fuhr mitten auf der kleinen Straße, durch große, alte Seitenrand-Bäume von mir auf dem Fußweg getrennt, ziemlich zügig und fast geduckt auf einem klapprigen blauen 08/15-Fahrrad in die Gegenrichtung, so dass ich ihn wirklich nur ca. 2s durch die Stämme und das Laub gesehen hab. Auf dem Kopf hatte er weiße oder silberne, fette Noise Cancelling-Kopfhörer, die Kleidung sah aus wie 90er Ballonseide mit kurzer Hose [oder halt Berlin Mitte-Style von vor 10 Jahren, hihi] und auf dem Gepäckträger war eine schwarz-rote Hundetransport-Tasche geschnallt. Let's go!

Realität I [Harten Techno auf den Ohren.]
Whoah, ich hätte das niemals zusagen dürfen, das schaff ich nicht mehr pünktlich, voll ätzend... Immerhin passt in die Box hinten ordentlich Bier rein; klappern nicht mal, die Dosen, gar nicht gedacht, dass das Ding so praktisch ist! Naja, Jana weiß schon, warum sie die nie abmacht. - Fang' schon an zu schwitzen, auch eher ungeil, nützt nix, das Bier muss vor dem Fleisch da sein, weiter immer weiter! - Wird schön, kann ich mal wieder in Gemeinschaft trinken, alleine suckt ganz schön ab. Hoffentlich bringt noch wer Alkohol, ich brauch' ja allein schon nen Liter, um den ganzen Schweiß wieder reinzuholen!1 Gut, dass das nicht drinnen ist heute, sondern im Garten von der Butze, hab ich wenigstens noch bisschen Wind als Unterstützung gegen den Geruch. Ahhrghhh, hab keine Lust mehr zu treten, wo kommt denn jetzt der scheiß Verein, und wehe Trix ist noch nicht da, dann garantier' ich eh für gar nix mehr. Gnahhhhhhhh!1

Realität II [Auf den Ohren läuft "Regen auf Blätterdach" in Endlosschleife.]
ShitShitSHIT, Ronja ey, warum passiert das immer kurz vor'm Wochenende?? Ich kann das bald nicht mehr, hab dich echt lieb, das macht's SO schlimm! Halt durch, wir schaffen das, bis um sieben, so lange hat Dr. Bauer noch geöffnet und sie hat am Telefon gesagt, notfalls wartet sie kurz auf uns. Ja, ich hör' dich, armes Biest, gleich hast du's geschafft, in sechs Minuten sind wir da! Mit Glück haben die noch die super Cracker ohne Zucker, na, warte, und dann kriegst du dein Zeug und alles wird erstmal wieder gut. - Ich versprech' dir, ab jetzt pass ich besser auf mit dem Spritzen, das wird astrein getimed jetzt immer, ich pack' das, werd einfach nen Vorrat anlegen und dann sind wir safe. Bleib' wach, du schaffst das, Ronnchen, schlaf' mir noch nicht ein, nicht HEUTE, wir sind gleich da!!1

Realität III [Public Fitness-Playlist mit 110bpm auf Lautstärke 9.]
Wenn ich das jetzt noch die paar Tage bis Dienstag durchhalte, hab ich's drin, 30 Tage reichen doch?, bis zur Habit?! Läuft auch schon viel besser, Beine tun gar nicht mehr weh, nur bisschen oben, kein Vergleich zum Anfang. Meeega. Julia hatte recht, einfach losmachen und dann läuft das von allein. Wär echt SO COOL, wenn ich mal nicht mehr so viel rumgrübeln würde dann, bald, manmanmanmanman. Gar keine schlechte Mucke diesmal, Julia ey, sollte mehr auf die hören, sowieso. Vielleicht komm' ich ja soweit, dass die mal mit mir joggen geht, wobei, besser erstmal noch drei Monate so weiter mit dem Teil hier, heh, aber vielleicht passt das ja dann irgendwann! Bin ihr jetzt schon quasi ALLES schuldig, ganz gespannt, ob sich auf die Bewerbungen bald mal wer meldet...

PS: Wenn das weiter so läuft in meinem Kopf, [er-] schaffe ich jetzt wieder mehr, auch irgendwas und schlechtes und dann auch mal gutes, denn: Kreativer Erfolg kommt nicht von können, sondern von üben. Oder wie Florence Given aka FLOSS mal gesagt hat:

"If you don't express it, you suppress it."
-- If you don't know her yet, check her out on Insta, she's great.

5. Juni 2025

re:publica 2025, STATION Berlin - Tag 1

Völlig subjektive und unvollständige, ergänzte und leicht überarbeitete Notizen meiner drei re:publica-Tage in diesem Jahr. Weil's mir so langsam viel zu schade ist, diesen Impact an Ideen, Wissen und Vernetzung jedesmal "nur" zu erleben - und nicht wirklich zu verarbeiten oder noch besser: zu integrieren.

Weil ich auf den Hintereingang mit der deutlich kürzeren Registrierungsschlange spekuliert hatte, den es anscheinend gar nicht mehr gibt [?! mir scheint es auch, als ob das Gelände signifikant verkleinert wurde, den Außenbereich mit Schiff/Terassen etc gab es diesmal nicht und ich war ein bisschen traurig darüber], wurde ich mit Menschenmassen konfrontiert, von denen ich definitiv kein Teil sein wollte. Also spazierte ich einfach durch die nicht so schöne, aber vom sommerlichen Wetter aufgehellte Gegend um das Gelände der STATION und hörte mich durch die Keynote Session von Prof. Dr. Björn Ommer mit dem Titel "Generative KI und die Zukunft der Intelligenz" [ganzer Vortrag auf YouTube].

Ob es am Spazierengehen und den visuellen Ablenkungen ODER meinem Vorwissen lag - oder doch halt am Vortragsstil/Inhalt! - weiß ich nicht: Ich fand es leider dünn und wenig bahnbrechend neu, was der Herr Ommer so erzählt hat. Der eine Punkt, den ich einprägsam fand und festhalten möchte:

  • Die menschliche Fortbewegung hat sich den Großteil unserer Geschichte in der Ebene abgespielt, sei es zu Fuß, mit Booten auf dem Wasser oder auf Reittieren, in gezogenen Wagen, auf dem Fahrrad oder im Auto und mit dem Zug. Die Entwicklung von Flugzeugen hat das Reisen grundlegend transformiert, weil erst damit die dritte Dimension genutzt werden konnte. Ähnlich verhält es sich mit generativer KI: Unsere [bisherige] Informationsgesellschaft bzw. jede einzelne Person wird prinzipiell erst durch die Nutzung von KI befähigt, das in dem Übermaß an vorhandener Information enthaltene Wissen auch persönlich und in relativ kurzer Zeit [Echtzeit?] nutzbar zu machen! Die realistische Wissensgesellschaft also eigentlich erst seit "jetzt" und nicht schon als direkte Ablösung der Industrialisierung.

Als nächstes eines der wenigen Panel, die ich mir ausgesucht hatte, die wirklich mit allen drei Generations besetzt waren, "Create against Hate. Erfolgsgeschichten trotz digitaler Schattenseiten" [Youtube]. [Lag es an meiner Auswahl oder ging das auch anderen so, dass XY den Großteil der Akteur*innen gestellt haben?! Ist vielleicht die TINCON "Schuld", die ja parallel stattfindet?]

Moderiert wurde von Jana Pareigis, im Panel waren Lilly Wolkersdörfer von jung genug, Meltem Yurt von den Migratöchtern und Franziska Merkel-Anger von den Omas gegen Rechts vertreten. Etwas mäandernder Talk, bei dem die drei Teilnehmerinnen insbesondere auch berichtet haben, wie unterschiedlich in den drei Gruppen mit Hate im Netz umgegangen wird. Bei den Migratöchtern wird zum Beispiel bei Beiträgen, die erwartbar negative Reaktionen erzeugen werden, im Voraus eine Art Handreichung erarbeitet, die dann von denen, die "Dienst" haben, genutzt werden kann. Enthalten sind Quellen/Links, Argumente, hilfreiche Antworten auf Fragen usw. Die Omas gegen Rechts hingegen stellen vor der Veröffentlichung von Themen eine interne Mehrheit/Zustimmung her, um keine Hate-Wellen über einzelnen Zusammenschlagen zu lassen. Gibt es die nicht, wird zu dem Thema nichts gemacht. 

Und auch hier ein Punkt [mit Anhang], den ich für mich markierenswert finde:

  • We [as society] need Diskurs. Das ist zum einen etwas ganz anderes als eine Diskussion, hat schon der mittlerweile in die Jahre gekommene, damals noch recht "junge" Gunter Dueck auf meiner ersten re:publica anno 2012 gepredigt und mich damit ziemlich beeindruckt. Er hat in seinem Vortrag Diskurs als "voneinander lernen", "sich mit den Gemeinsamkeiten beschäftigen", "sich aneinander weiterentwickeln" definiert, im Unterschied zur Diskussion, in der es so oft eher um die Erläuterungen der eigenen Standpunkte geht, die ... eben nicht verlassen werden.
  • Von allen Beteiligten im Panel wurde betont, dass gerade ein Diskurs, der in der digitalen Öffentlichkeit stattfindet, personalisiert und individualisiert angeboten werden sollte. Warum? Sobald Annahmen über andere Personen oder Gruppen gemacht werden, fängt Spaltung an, vgl. auch: "Nothing without us about us!" Echte Inklusion, Teilhabe, Vielfalt heißt, alle Stimmen zu hören und eben insbesondere auch die Innenwelt und -sicht von Beteiligten darzustellen. Ungefähres Zitat von Meltem Yurt: "Wir zeigen eben auch: Wie FÜHLEN sich die Personen dabei?" Fand ich im ersten Moment kontraintuitiv, weil so ja Menschen exponiert werden, aber naja, [inklusiver!] Diskurs geht anders nicht, sehe ich jetzt auch.

Als drittes hab ich dem [bekannten IT-Fach-/] Rechtsanwalt Chan-Jo Jun und einer seiner mittlerweile über 30 Mitarbeiter*innen, der Rechtsanwältin Jessica Flint bei einem [für mich etwas zu animierten, aber] inhaltlich sehr bereichernden Vortrag zugehört: "Machtfaktor Social Media - gestern war der beste Tag, mit Regulierung die Demokratie zu bewahren." [YouTube] Ein eindrückliches Beispiel für die dringende Notwendigkeit zur [staatlichen!] Regulierung: Nach der Erstellung eines nagelneuen Tiktok-Accounts, bei dem Likes an alle deutschen Parteien vergeben werden, bekommt dieser Account zu 78% [!] ... die AfD eingespielt. Bei X sind es bei vergleichbarem Account-Aufbau "nur" 64%, aber das Muster wird klar.

Ein anderes Beispiel ist der aktuelle Crypto Scam [Spuk!], der mit dem Namen und der Person der Journalistin und Moderatorin Anja Kohl [man kennt sie u.a. aus der "Wirtschaft vor acht"] aktuell umgeht. Hier werden mit großem Geschütz, von Text/Bildern online über Telefonanrufe mit KI-Stimme bis hin zu deep fake-Videos angebliche Investitions-Empfehlungen von Frau Kohl in die Welt gepustet. Sie geht mittlerweile juristisch dagegen vor, es ist allerdings ein Kampf gegen Windmühlen, weil ... die Regulierung fehlt.

Was ist eigentlich der Grund dafür, warum werden Social Media-Plattformen so schlecht kontrolliert und können quasi nie für illegal durch User gepostete Inhalte zur Rechenschaft gezogen werden? Ein wichtiger Grund dafür ist das sogenannte Providerprivileg [Präzedenzfall ist aus 1999!], bei dem der Inhalt als komplett disjunkt gesehen wird und dem [eigentlich Internet-] Provider rechtlich keinerlei Verantwortung für die verarbeiteten Inhalte auferlegt werden darf. Nun ja, und solange wir bei Social Media noch von "Plattformen" sprechen, ist es eine Art Grauzone/Schlupfloch - und für diese tatsächlich billiger, die staatlichen Regulierungen und Vorgaben von Deutschland/der EU eben nicht durchzusetzen, sondern in Rechtsstreitigkeiten auf das Providerprivileg zu verweisen.

Soziale Medien verarbeiten aber ja nun tatsächlich die Inhalte, die von Usern eingestellt werden, mindestens durch die algorithmische Aufbereitung der allseits vertretenen nicht-linearen Timelines -  und damit kann das Providerprivileg definitiv nicht mehr herangezogen werden, so RA Jun im Talk. Laut ihm und RA Flint wäre das einzig richtige Vorgehen dabei, alle algorithmisch Inhalte aufbereitende Social Media-Plattformen hinfort als Medienunternehmen einzustufen. Dann ist die Verantwortung für die Inhalte gegeben und die bereits existente Regulierung greift endlich, mit allen für die Unternehmen teuren und für uns als Gesellschaft wirksamen Folgen. - Sehr erhellend!!

Zum Abschluss hab ich noch [schon im Hängesessel im Hüttenpalast chillend] dem kurzen Vortrag "Vernetzte Gewalt. Analyse und Gegenwehr" [YouTube] vom Medienwissenschaftler Prof. Dr. Bernhard Pörksen gelauscht. Er spricht in Bezug auf Shitstorms und Hate im Netz von "vernetzter Gewalt", die einzigartig in der Geschichte der Menschheit ist. Warum? Es geht dabei im Kern um die verlorene Kommunikationshoheit - denn wer weiß zum Beispiel schon, dass Franklin D. Roosevelt, Ex-Präsident der USA, im Rollstuhl saß?! Roosevelt hat das geschickt geheim gehalten; laut Pörksen gibt es nur 2 Fotos von ihm im Rollstuhl und laut Wiki nur wenige Sekunden an Filmmaterial, das ihn gehend zeigt. Letzteres war ihm auch nur möglich, indem er Beinschienen trug, die er in weiten Hosen versteckte und zusätzlich einen Stock und einen Menschen als beidseitige Stützen benutzt hat.

Pörksen beschreibt eine Entwicklungskaskade von der Erfindung der ersten Schrift [dauerhafte, personenunabhängige Wissensspeicherung] über die der beweglichen Lettern [schnelle und einfache Reproduzierbarkeit und damit örtliche Ausbreitung von Wissen] bis hin zur totalen Vernetzung der heute an jedem Ort zeitgleich stattfinden könnenden Kommunikation via Internet. Unter diesem Aspekt ist laut Pörksen sehr, sehr viel Bildung notwendig, um das positiv zu halten und nicht darunter zu leiden. Wirklich begreifen können unsere Gehirne das nämlich nicht ohne weiteres. - Off topic Bemerknis: Den Russlandkrieg gegen die Ukraine bezeichnete er als "geopolitische Verwerfung der Sonderklasse".

Mehr war denn auch nicht drin von der Aufnahmekapazität her. Tag 1 war schön!

PS: Am Sonntag auf dem Hinweg von Hannover nach Berlin hab ich meinen pinken Turnbeutel mitsamt Emsa-Becher, Bibliotheksbuch [beides nicht soo schlimm], Ladekabel/Stecker für's Handy [mittelschlimm] und Portemonnaie [wegen der ganzen Karten: superschlimm!] im Zug liegengelassen. Immerhin waren die Medikamente diesmal im Koffer. Weil ich eins [sic!] Fuchs bin, hatte ich sogleich vier verschiedene Lösungsvorgehen parallel: Online-DB-Formular ausgefüllt; Geld erhalten via [ggf. über dritte] Bekannte; unkomplizierte [!] 50€ aus der Kasse vom Hüttenpalast, um notfalls 24h durchzuhalten; telefonisch in den Kontakt zu DB-Menschen zu kommen, die mir wirklich helfen können. Letzteres hat dann via Hack [Anruf bei einer Hotline für DB-Webservices] funktioniert und ich landete im Endbahnhof Berlin Ost - wo ich nach insgesamt knapp 2h Trennung den Beutel an mein Herz drücken konnte. Dank an Unbekannt für's Abgeben!! <3

31. Oktober 2024

Fragment ohne Titel [2021-10]

"Bearbeitung" einer Aufgabe zum assoziativen Schreiben aus Stephen King's Buch On Writing [2000].

Lächerlich. Alle meine Fotos sind weg?! Nicht im Ernst. Dir zeig ich's, jetzt erst recht.

Weiter, immer weiter, Treppe Stufe Boden. Langsam, langsamer. Halt. Atmen. Still. ... FIIIIIIIIIIIIIIIUIUIUIUIUIUIUIUIUIUIUIUIUIUIUIIIIIIIIIIIIT!!!1 mit abruptem Ende; gefolgt von Stille, again.

„Jana? Bist du das?“ Leise und ängstlich, der Ton reicht gerade um die Ecke in den Flur zu mir. Wie immer. „Na klar, wer sollte das sonst sein!? Oder wen erwartest du Sau?“ Gleich mal Fronten klären. „Und seit wann trinkst du abends was anderes als Bier, sondern setzt dir 'nen Kessel für TEEWASSER auf?!“ Ich prophezeih' euch von hier aus, dass er mit zusammengezogenen Schultern vor dem Herd steht, die Hände abgestützt, frozen, Kopf gesenkt. Klamotten à la mittelalter Geschichtslehrer aus dem 20. Jahrhundert, fifty shades of beige. Uuuuund yes, da steht er, genau wie beschrieben. Immerhin ist es heute keine Cordhose.

„Was willst du hier.“ Tja, warte nur ab, „Das wüsstest du wohl gern, kann ich mir vorstellen. Sag ich aber nicht, merkste gleich. Lass mich mal da ran.“ Allein schon, wie er zur Seite geht; könnt ich nachschubsen, hab direkt Wuchtpotential im Ellenbogen, … aber das kommt später dran. Erst mal was futtern.

„Hast du Eier da? Ich mach' uns Omelette und dann essen wir. Scheiße man, wo ist die große Pfanne hin??“ Alles raus oder wie, Fotos, Pfannen, am Ende noch der Pizzaste - ach nee, da isser. Immerhin. „Da.“ Seine Hand mit dem Finger zittert in Richtung der unteren großen Schublade, ich fass' es nicht, alles wie immer, echt mal jetzt. „Setz' dich an den Tisch und halt die Klappe, bis ich hier fertig bin.“

Interessiert ja auch keinen, warum bin ich zurück, tja, wie und warum und wer, scheißegal, und gleich geht’s hier so richtig los. Geil. But first things first. Erstmal Eier … Oliven … Tomaten... häh wo sind die hin? Ach da. - Nichts ist so gut wie perfekt stockendes luftiges Omelette, ich kann's noch. Bittedanke, gern geschehen.

„Hier, done. Iss das jetzt. - Guck mich doch wenigstens mal richtig an! Feigling. - Sind noch Klamotten von mir oben, ich hab keine gefunden?“ „Nee.“ „Wie, nee??! Spinnst du, wo ist das Zeug??“ „Weg.“ Oh man, ich RAFF's nicht! „Wegen so'n bisschen Beef haust du alles raus? Na danke. Immerhin hab ich überhaupt gar keine Frauensachen oben gefunden; dein Glück.“ „...“ Sprachlos, immer sprachlos – oder wenigstens einsilbig, langweilig und leer und fad. Einzig diese aus den gekrempelten Hemdsärmeln rausguckenden Unterarme, die machen mich schon wieder fertig. Nicht zu lang hingucken jetzt, Fokus!

„Was willst du hier.“ „Du wiederholst dich, man.“ „Jana, was willst du hier? Was wird das? Ich find' das nicht witzig!“ „Schon klar, geht aber gar nicht immer um dich, Überraschung. Wir haben noch was offen, kommst du drauf?“ „... ich dachte, … echt? Du willst... können wir das nicht anders“ „NEIN!! Ich hab so lange gewartet, wir machen das heute, genau das, nich' wann anders, sondern jetzt.“

Muss ich mich auch noch rechtfertigen, so weit kommt's noch, ey. Stocher stocher Gabel Ei, als ahnt' er schon, wie das gleich abgeht, BÄM. Und so scheiße schmeckt das Omelette echt nicht, „Gib mir deins her, ich glaub's ja nicht, hab ich dir den Appetit verdorben oder was?!“

„Bitte, Jana, lass uns reden, das ist ne vollkommen hirnrissige Idee, wir können uns nich'“ „DOCH. Können wir. Und wie! Du gegen mich, Regeln normal, wer gewinnt, kriegt Nell. Warum ist sie eigentlich nicht hier, wo hast du sie abgeladen?“ Typisch, hauptsache Ruhe, allein, er und sein Bie achnee, ist ja jetzt Tee, anscheinend, was für ein Loser, echt. Aber gut, geht ja um was. Und besser, wenn sie nicht sehen oder hören muss, wie ich ihn fertig mache.

„Jana... sie ist auf 'nem Geburtstag … ich hol sie in 2 Stunden wieder ab.“ „Schreib mir die Adresse auf, dann regel' ich das. Gewinn' ja sowieso, nä?“ Ha, das wird SO gut! Sagt halt nix, der Sack, aber gut, schreibt immerhin was auf den blöden Zettel. Zitternd! Oh man. „Na los, und jetzt geht’s raus, hier isses viel zu voll. Wo hast du die Figuren, oder sind die auch schon nicht mehr da?!“ „...“ Schon wieder kein Wort, nur diese kugelrunden Augen mit viel Weiß und der immer unsichere Mund, „Alter, man, mach' hinne, LOS JETZT!!1“

Draußen Nieselregen, genauso trüb wie dieser Typ, genauso energieraubend, aber HAH, meine Wut ist noch da, mein Antrieb brummt, die Finger kribbeln … ich kann noch, und wie, dich pack ich allemal. Wirst schon sehen. Wenn ich bloß endlich diese kack Figuren finde! - … Schuppen? Schuppen. Genau, vielleicht sind die unter den Tapeziertischen, boah, wie krass voll ist das hier denn geworden, dabei war ich doch nur 3 Wochen weg?!

„Kannst du mir mal sagen, was das soll?! Wo finde ich die scheiß Plastikdinger, wolltest du sicherstellen, dass ich dir nie wieder eins damit überziehen kann oder was?!“ Keine Reaktion, natürlich, das einfachste ist immer Schulterzucken oder gar keine Reaktion... aber vielleicht sind sie ja hinterm Tischtennistisch, was für ein Wort übrigens, egal, weg damit, MAN - „WO SIND DIE SCHEIßTEILE HIN????!!“

Ich dreh noch durch. Kann der Mann nicht wenigstens EINmal vernünftig kommunizieren, bevor's ans Eingemachte geht?! Oder will er etwa im Gegenteil heimlich MIR von hinten damit ... – nee, oder? Moment, wo is'er – WOW. Ich raff's nicht. Der ist einfach WEG?! Abgehauen??! Tatsache, keiner da, hinter mir, neben mir, niemand zu sehen, kein Geräusch, nur leere Marmeladengläser im Karton, die anklagend nicht klirren, weil er sie nicht zum Einkochen benutzt. So ein Scheiß. Ausfall des Schlachtfelds, nix mehr mit den Instrumenten der Demütigung, stattdessen Suche nach der verlorenen Person oder was?! Ich brech' ab.

„Ey, wo rennst du hin, du spinnst wohl, abhauen gilt nicht; lass uns das doch endlich mal bis zum Ende durchspielen, ich glaub', es hackt – NA WARTE!!1“ Jetzt auch noch rennen, ÄT-zend - ich dachte, wir tragen das aus wie echte Menschen, so'ne scheiß Verfolgungsjagd ist doch was für Kleinki AUa!! Boah, tut DAS weh!

Ich hab keine Lust mehr. Ich habe keine LUFT mehr! Einfach hier sitzen bleiben... - dieser dreckige scheiß Schlauch, immer liegt der quer hier rum. OK, mal wackeln, Fuß noch dran? Scheint so. Aber kacke, ey, der ist jetzt bestimmt schon über alle Berge, obwohl, das Auto hat noch nicht gemuckst, oder isser zu Fuß abgezischt? Kann ich von hier aus ja nich' sehen, aber aufstehen... nee, das läuft nicht. Mist. MISTMIST!

OPEN END.

 

1. September 2024

Geliebter Zusammenhang. - Eine Ode an Die Herrlichkeit von Struktur.

[Edit 2024: Dieser Post wurde im Juli 2022 gestartet.]

Bei den häufig phantastischen PHDcomics gibt es diesen einen, in dem sinngemäß deutlich gemacht wird, dass die große Kunst bei einer Dissertation eben nicht unbedingt darin liegt, drei bis fünf Jahre lang etwas zusammenhängend durchdachtes zu tun und das dann aufzuschreiben, sondern überraschenderweise eher darin, im Nachhinein und kurz vor Schluss die diffus wabernden Arbeiten und Ergebnisse der zurückliegenden Jahre in eine konsistente und kohärente wissenschaftliche Form zu gießen. [Wer diesen einen Comic findet und mir schickt, bekommt ein Eis!]

 EDIT 19.09.: Hannes did it! \o/ Cecilia's Thesis [phdcomics.com]

Um das zu können, bedarf es natürlich eines gewissen Überblicks. Und der ist nicht unbedingt ein "Sehen von Allem", wie ich lange dachte und was auch in diesem hervorragenden, aus meiner heutigen Sicht allerdings eher Neurodiversität denn Wissenschaft an sich beschreibenden, Abstruse Goose-Comic angedeutet wird [Klick führt zur hochauflösenden Originalversion - edit 2024: leider nein, hier steht die Begründung, warum nicht]:

Das ist aus meiner Sicht exakt vergleichbar mit dem "mindful vs. mind full"-Comic, also dem Achtsamkeitsgedanken; und dann wird auch deutlich, dass es eben rein gar nicht wissenschaftlich ist, überall alle Grundlagen, Zusammenhänge und Hintergründe an allem zu "sehen", all the time. Dann würde eins nämlich kirre. Aber diese Grundlagen, Zusammenhänge und Hintergründe zu kennen, das ist der Schlüssel. Gern so weit/groß wie möglich, aber eben immer ausgerichtet an den Gitterlinien, den Grundzügen, kategorisiert nach den definierenden Elementen.

Und so startete ich diesen Blogeintrag mit dem Gedanken im Hinterkopf, einen Post über natürliches Kacken zu schreiben, darin auf Haustiere und deren Futter zu referenzieren und die [nicht-] Parallelen unseres Verhaltens den Tieren vs. uns selbst gegenüber herauszuarbeiten, scheiterte dann aber daran, dass ich dazu

[Edit 2024: Wir werden nie erfahren, woran ich damals scheiterte. Veröffentlicht hab ich es jetzt trotzdem mal.]

P. S.: Falls ihr euch das auch fragt, gestelzt und klugscheißerisch erzählen konnte ich offensichtlich schon auf der Kassette, die ich meinen Großeltern im Alter von fünf Jahren zu Weihnachten '86 aufgenommen habe: "... nun gebt mal fein acht!" ist zum Beispiel eines der Highlights darauf, gleich zu Beginn.

29. Mai 2022

Pro Aktivität.

Ich lebe gerade ganz gut, habe viele Privilegien und fühle mich gleichzeitig total ziellos. Der Master ist schon seit einem Jahr geschafft, das Sportprogramm seit weit mehr als einem Jahr komplett auf Eis gelegt, sonstige Hobbies abseitig von Lesen [words, my one and only love] existieren lange nicht mehr; das einzige Kontinuum ist die sich in meiner Lohnarbeit immer weiter und wieder ereignende Veränderung, die mich geistig einigermaßen beschäftigt und am Laufen hält. - Liegt es an Corona? Ich weiß es nicht und glaube es nicht. Der Ukraine-Krieg schrammt an mir vorbei, ich bemühe mich und kann ihn schlecht [er-]fassen - außer in den Auswirkungen auf meine Lohnarbeit, also auch hier Dominanz des gefühlten Außens/nur Reaktion.

Vor einem knappen Jahr hatte ich beschlossen, unbedingt vor meinem 41. Geburtstag diesen August ein [mein], nein, DAS Buch zu schreiben, das ich immer schon schreiben will. In dem Kontext hab ich einiges umgesetzt und bin also quasi tätig geworden, aber auch das alles [Schreibprogramm gesucht, getestet und final gewählt, Literatur über das Schreiben gesammelt und gelesen, mit verschiedensten Menschen einige fruchtbare Diskussionen zum technischen Modus Operandi gehabt, sogar eine Art Pitch entwickelt] ist ... versackt, in a not so good way, gefühlt jedenfalls not so good. Es ist einfach ausgelaufen, eine prokrastinierte Frist wie eine achtlos offen gelassene Tube mit wertvollem und eigentlich auch wertgeschätztem Inhalt.

Nicht nur bezüglich des Buches, dem ich auf Twitter ja sogar todesmutig schon ein Hashtag gegeben hatte [#nonApologie], sondern generell kommt es mir momentan so vor, als ob die Zeit einfach so verrinnt. Ich kenne das Gegenrezept, das mir schon vor mehr als 10 Jahren der ansonsten eher etwas unsympathische Nachbarabteilungsleiter vom Fraunhofer etwas überraschend im Nebensatz verraten hat: Ereignisanker setzen, Erinnerungspunkte erschaffen, damit im Alter das Leben nicht als "schon und viel zu schnell vorbei" empfunden wird.

Auch Meike Winnemuth unternimmt seit einiger Zeit mehr oder weniger jedes Jahr ein Unterfangen,  das jedes Jahr rückblickend greifbar macht, so zum Beispiel ihr Projekt ein Jahr, ein Kleid [daskleineblaue.de], die Weltreise nach der Wer wird Millionär-Teilnahme bei Jauch mit Blog Das große Los! [vormirdiewelt.de], 2014 dann nochmal 12 Städte in Deutschland und schon 2007 einen Marathon etc. - jedes Jahr wird eine Wegmarke gegen das Durchrauschen und Vergessen gesetzt.

Ich hab das sogar auch ein paarmal gemacht, allerdings nie absichtlich, sondern aus Grunderlebnisdrang. Hilft natürlich trotzdem! Zum Beispiel mein Motto-Jahr 2014, in dem ich auf der Suche nach Kreativität und einem zufriedenstellenderen Job jeden Monat etwas anderes machte [Schlagzeug spielen, selbst Kochen, Thema Ausbildung...], oder auch ein Jahr der Gesundheit in 2012, wo ich alle Teile meines Körpers quasi einmal physikalisch prüfte und abchecken ließ und mich kümmerte oder jüngst in 2021 der Masterabschluss.

Im Kontext von "Sachen machen" - ein schon ~ 10 Jahre altes Projekt von Isabel Bogdan, das in diesem Buch [buchkatalog.de] kulminiert ist und das ich GELIEBT habe - schrieb sie mal, dass es zum Sachen machen eben quasi eines Muskels bedarf, der durch das Machen von Sachen trainiert wird. Sie hat es natürlich irgendwie eleganter ausgedrückt, was ich damit aber sagen will ist: Ich finde gerade den Anfang nicht, der Muskel scheint krass geschwächt, es ist ein Elend und ich langweile mich mit mir selbst und tue einfach "nichts". Einzig meine Bücher hab ich geschafft, drastisch auszumisten und einen Teil in den momox-Schlund zu werfen, einen anderen Teil hier im Viertel via Bücherkarton zu verschenken und den dritten aktuell leider noch hinter Schranktüren auf den passenden Einsatz warten zu lassen. Wegwerfen geht nicht.

Naja. In diesem ganzen Kontext von Kreativität und Leben, das und die ich schleifen lasse und nicht weiß, wie aktivieren, dem scheiß Buch, das ich nicht schreibe etc pp hab ich das hier auf Twitter [twitter.com] gelesen, ein Zitat von Annie Dillard, die sinngemäß dazu aufruft, konstant zu produzieren und die eigene Kreativität und Inhalte nicht für irgendetwas bestimmtes "Großes" aufsparen zu wollen.

Und dann unterhielt ich mich mit dem Mann und beklagte mich über Die Große Allumfassende Ziellosigkeit und äußerte meinen Wunsch, wieder zu schreiben. Er stellte mir eine Mörderfrage, wie ich finde:

"Was gibt es denn, womit du dich über die nächsten 12 Monate schreibend beschäftigen könntest? Wozu hättest du Lust, was interessiert dich genug?"

Die Antwort ist mir erstaunlich leicht gefallen: Parallelen. Und was das heißt, seht ihr vielleicht bald.

P.S.:
So, das hier ist also der Korken, an dem ich schon seit Wochen mehr schlecht als recht gedanklich herumlaboriere und der um's Verrecken nicht aus dem blöden Flaschenhals kommen will. Ich zeige ihn euch jetzt einfach mal, das scheint mir ein vielversprechender Weg zu sein. Nicht umständlich und altmodisch formulieren geht anscheinend auch nicht, merke ich, aber was soll's - kann ja nicht jede wie Kathrin Passig alles immer tatkräftig angehen [techniktagebuch.tumblr.com] und sogleich zum Entrümpeln der eigenen Sprache schreiten! ... wobei, hatte nicht gerade die auch dieses Buch mit dem Titel "... ohne einen Funken Disziplin" [buchkatalog.de] geschrieben?! Ich. Muss. Lesen. Gehen.

6. März 2022

prominent gekotzt I - "Die Unvollendete"

Wie kommt dieser blöde Titel zu Stande? So [twitter.com]. Evtl. wird es eine Reihe, evtl. auch nicht, das weiß man bei mir aktuell nicht so genau.

Ich hatte ab ~ September/Oktober/November geplant, bis zu meinem Geburtstag im August 2022 ein Buch zu schreiben. Das meiste vom Gerüst steht seit langem, ich habe mehrfach mit @jawl [twitter.com] dazu telefoniert und wertvollen Input bekommen, auch schon Teile des Inhalts skizziert und die digitale Umsetzung ist ebenfalls angerissen. Aber. Ach.

Im Arbeitszimmer liegt in einem großen Zettel- und sonstwas-Stapel eine Planungsskizze für unsere großen Wandschränke, die ich mit viel Elan, Struktur und Zeichenfreude fabriziert habe. Was kommt sinnvoll in welchen Schrank und wie ziehe ich wo zusätzliche Böden in die Schränke ein, in denen im Wesentlichen eine Stange montiert ist - das nimmt nämlich sonst viel zu viel leeren Platz weg und wir haben ja keinen Keller. Der Badschrank [Nummer 1 von insgesamt 5 Schränken mit zusätzlich großen Oberfächern] ist sortiert, schon seit Monaten, finito.

Die beiden großen 5x5 Kallax-Regale sind voll mit Büchern, das stört mich. Ich sortierte voller Tatendrang für Momox aus, machte im ersten Schwung > 40 Euro und habe nun die zweite Box gepackt neben dem Esstisch auf der Bank und schicke sie nicht ab, weil der Karton noch gar nicht voll ist und ich geldgeil, aber sortierfaul bin. Offensichtlich.

Die Kallaxe sind dadurch leerer geworden, außerdem hab ich Ideen [Bettwäschefächer - done, Handtuchfächer - done, 4x Alkohol-Glastüren und 9er Weingitter - 3x done und das Glas nicht geputzt, Aufkleber zwecks Türenaufhübschung - gekauft, aber nicht done]. Achach.

Auf dem Bett liegt Bettwäsche, gestern lag sie auch schon da, dann hab ich sie zum Schlafen auf den Stuhl daneben gelegt, um sie heute morgen wieder auf's Bett zu packen... naja.

Damit hier wenigstens noch irgendwas vollendet wird, veröffentliche ich jetzt einfach und blogge scheinbar wieder.

25. Dezember 2021

Steile Thesen I - Es geht aus, ein und nicht ein, aus!

Schon seit ziemlich langer Zeit sammle ich halb valide, auf meinen eigenen Gedanken basierende [und nicht streng recherchierte!] Thesen, deren [geglaubte] Erkenntnis in der Regel zufällig stattfand. Das sind jetzt fast 10 Stück, die ich eigentlich mal ausformulieren möchte, und weil mir bei einigen die fast gesicherte Realität evtl. schon zuvorgekommen ist, fange ich jetzt einfach mal an und zwar mit einer Beobachtung zur Atmung.

These I:
Der korrekte Ablauf des Atmungsvorgangs ist ausatmen - einatmen, wobei das Ausatmen bewusste Muskelkontraktion benötigt und das Einatmen
automatisch durch Entspannung entsteht.

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht genau, woher oder wann diese Einsicht kam, die ich da oben formuliert habe - eventuell war es auf einem der Fußmärsche von der oder zur Arbeit? Bis wir vor drei Jahren umgezogen sind, hatte ich nämlich nur 1.1km Arbeitsweg, den ich zu 100% zu Fuß gegangen bin. Dabei hab ich eine ganze Zeit lang geübt, eher Vorfuß zu gehen und mir meinen Bewegungsablauf bewusst zu machen, wobei natürlich auch mal die Atmung bzw. der Atemrhythmus in den Vordergrund getreten ist. Letzteres natürlich auch stark beim Joggen, aber das lass ich aktuell einfach nur noch schleifen...

Warum und was hab ich sonst überhaupt mit Atmung an sich zu tun? Kurzgefasst hab ich bis vor etwas mehr als 10 Jahren mein gesamtes Leben wahnsinnig viel gesungen, da atmet man ja beständig vor sich hin und mich wiederum seit einiger Zeit mit Meditation und da eben auch Atemtechniken beschäftigt. Naja, oder mehr mit dem Zusammenfluss von Atmung und Bewegung, und dann siehe oben, Gehen und Atmen ist ja sozusagen Yoga für Gehetzte. Seitdem ich jedenfalls einmal den Gedanken oben hatte, ging mir das nicht aus dem Kopf. Der Atem soll automatisch und "ohne Zutun" fließen - wie soll das denn gehen?! Bei mir läuft das jedenfalls nicht.

Quasi alle, die ich kenne, mich eingeschlossen, atmen ein und starten damit "die Atmung", in der Regel mithilfe des Weitens des Brustkorbs, Entspannung dieser Muskulatur bedingt dann die Ausatmung. Irgendwann fiel mir allerdings wieder ein, dass ich mal diesen coolen Jugendchorleiter hatte, der uns bewusst und auf Handbewegung hin ganz leer ausatmen und dann mit einer "überraschten" Mimik, also Augen aufreißen, Mund zum "Oh!" geöffnet und in einem Zug ohne Wiederstand die Luft "passiv" einströmen ließ. SEHR effektiv, kann ich sagen. Naja, und als ich das jetzt nochmal so probierte, erschien es plötzlich mega sinnvoll, die Lungen leerzuquetschen, um dann einfach [ja, wirklich sehr einfach] Luft wieder reinkommen zu lassen. Hmhm.

Irgendwann las ich noch etwas von Atemhilfsmuskulatur, so wird die des oberen Brustkorbs genannt, die von den meisten Menschen, die ich kenne, ja ausschließlich zum [Ein!]Atmen genutzt wird, nix mit Hilfe... und lernte beim MBSR-Kurs auch noch Leute kennen, die der Meinung waren, dass die Bauchatmung null effektiv ist [ist sie nicht, mein Schätzelein, sage ich als jahrzehntelang ambitioniert übende Sängerin]! Irre.

Und dann überfiel es mich wie ein Blitzschlag, so'n richtiger German Geistesblitz: Wir stammen alle von Fischen ab; und wie kommen die an Sauerstoff? Die schwimmen durch ihren Sauerstoffträger = Wasser und lassen den einfach einströmen - und "atmen" ihn dann aktiv durch die Kiemen wieder aus. Oder? ODER?! Deckt sich vom Prinzip auch viel besser mit der Tatsache, dass wir unsere Lungen nur mit 1a Sauerstoff füllen können, wenn wir die verbrauchte Luft vorher komplett ausgeatmet haben, und nein, das passiert nicht automatisch, s.o. der Chorleiter, der uns ausatmen ließ. Und dann, ja, dann strömt die automatisch wieder ein, wenn eine*r entspannt ist, wie bei den Fischen das Wasser.

Nachdem ich das jetzt endlich postuliert habe, kann ich mein Weihnachtsgeschenk "Breath" von James Nestor anfangen zu lesen, das sogar von Wim Hof [Ice man [wiki], kennt'er?] empfohlen wird und von dem ich mir viele spannende Einsichten und eventuell ja sogar die Bestätigung meiner These hier erhoffe!

28. August 2021

Der Trost runder Dinge von Clemens J. Setz

Ein ganz hervorragendes Buch, das leider viel zu schnell um war - und das von mir, die eigentlich nicht gern Geschichten und Erzählungen, sondern lieber längere Zusammenhänge liest.

Die handelnden Personen haben allesamt Persönlichkeit, sind subjektiv authentisch und werden aus Worten, Taten und wohlgewähltem [Erzähl-]Kontext sehr lebendig. Einen bestimmten Schreibstil gibt es nicht, im Buch sind Spam-Emails genauso wie Kürzestgeschichten vertreten.

Außerdem konnte ich beim Lesen anhand der Randbemerkungen gedanklich positiv vermerken, dass Clemens J. Setz mit Katzen [ge]lebt [hat], was ja immer gut ist.

6. Juni 2021

Heute in 10 Jahren - 2021er Edition

2009, also in einem Land vor unserer Zeit, in dem ich noch ziemlich aktiv in der Gegend herumbloggte, schrieb ich auf, wie ich mir mein Leben in 2019 vorstellte [ohne zu gendern und mit sonstigen Ausfällen, aber naja, man entwickelt sich halt auch weiter]. Wenn ich mir das heute so durchlese, stelle ich erfreut fest, dass mein tatsächliches Leben in 2021 eine Mischung aus der realistischen und der träumerischen [und ein bisschen auch der furchtbaren...] Variante ist:

Ich wohne mit dem Mann in Hannover in einem mich sehr zufrieden machenden, 70er-Jahre Reihenbungalow mit Garten in einem schönen Stadtteil mit top Grün-Nähe. Bei meinem zweiten Arbeitgeber arbeite ich seit einiger Zeit wieder nur noch 4 Tage die Woche in einem [nicht mehr ganz mittelständisch zu nennenden] Unternehmen als Leitung und gleichzeitig als Fachvertrieblerin eines [sehr] kleinen Geschäftsbereichs - was herausfordernd ist, mich aber aktuell nicht wirklich befriedigt. Weil ich häufig Überstunden mache und mich das nervt, habe ich seit einigen Monaten einen [befristeten] Zusatzvertrag über eine Teilzeit von 87,5%, was 35h und damit wenigstens die Auszahlung eines Teils dieser Überstunden bedeutet. Das wird mir allerdings langsam echt zu anstrengend... Wir haben keine Kinder, sondern endlich Katzen und das ist noch superer als gedacht! Ich habe seit 2017 nebenbei mit überwiegend großem Spaß Wirtschaftspsychologie studiert und jüngst als Mistress of Science abgeschlossen, mache [daher?] aber überhaupt keine Musik mehr. Mit meinem Schlaf [Qualität und Pensum] und der Ernährung bin ich 100% zufrieden, das Bewegungs-/Gesundheitsthema hat mit der Masterarbeit arg gelitten und kommt erst so langsam wieder in Schwung, sowohl physisch als auch psychisch betrachtet. Alles in allem 2 bis 2-, würde ich sagen, also gut - und ausbaufähig.

Kommen wir nun zur nächsten Dekaden-Vorhersage - mein Leben in 10 Jahren [ich bin dann also 49] ...

in der furchtbaren Variante:
Der Vermieter hat Eigenbedarf angemeldet, daher ist wieder unschönes Wohnen ohne Garten und Umgebungsgrün angesagt, weil der Markt hier ganz schön hart und unsere Anforderungen hoch sind. Ich bin immer noch und mittlerweile sehr unzufrieden beim gleichen Arbeitgeber, muss wieder 100% arbeiten und automatisiere also weiterhin die kapitalistische und smarte Welt. Ich bereue es, keine Kinder zu haben, bin gleichzeitig aber für eine Adoption nicht mehr flexibel genug. Nach Corona hab ich den Freundeskreis nie wieder hinbekommen und versauere in meinem eigenen Denksumpf. Meine Augen und der Nacken sind so schlecht, dass ich auf keinem Medium anständig lesen und auch nicht mehr schreiben kann; Sport und Ernährung sind auf präpandemisch schlechtem Niveau und das Gewicht sogar weit darüber. No music anywhere, nur Abgestumpftheit.

in der realistischen Variante:
Ich wohne [wir] im gleichen Umfeld, vielleicht sogar noch im Bungalow und gehe immer weitere Strecken zu Fuß. Meine Arbeit ist ok im Sinne von "Sowohl Inhalt als auch Ausmaß schaden weder mir noch der Welt", ich treffe mich regelmäßig mit Freund*innen und habe diversen Austausch. Ausmaß und Art von Ernährung sowie Bewegung verhandle ich beständig neu mit mir selbst, dann und wann gibt es Highlights wie zum Beispiel einen guten Step-Aerobic-Kurs. Die nächsten Tierheim-Katzen sind eingezogen, Garten und Haus sind in Schuss und tun uns gut.

in der träumerischen Variante:
Wir haben den Bungalow gekauft und vernetzen die Nachbarschaft mit einem monatlich offenen Tisch am Samstag. Ich arbeite in Branchen, die im weitesten Sinne die Welt verbessern und das bei einem oder mehreren Arbeitgeber*innen, die Lernkultur schätzen und fördern. Dabei gebe ich nicht nur Wissen weiter, sondern lerne selbst ständig und viel dazu. Das Auto brauche ich kaum noch, auch der/die Arbeitsweg[e] gehen überwiegend ohne, ich bin täglich und viel draußen. Es gibt weibliche und andere, nicht cis-männliche Menschen in meinem Alltag und [Arbeits-]Umfeld, der Freund*innenkreis besteht [endlich wieder] aus allen Altern von 20 bis 70. Ich arbeite an meinem dritten Buch, bin topfit und habe für alle altersgemäßen Malessen einen guten Workaround erarbeitet, vor allem im eigenen Kopf. Mein kreatives Schaffen bereichert mich und ist ein großer Teil meines Lebens... und ob schreibend oder musizierend, alles vibriert vor Resonanz im Rosa'schen Sinne [buchkatalog.de].

PS: Mit so'nem Psychologiestudium im Hinterkopf und einer aktivierten Portion Selbstreflektion ist ja schon das Schreiben eines solchen Artikels aufschlussreich... wovon handeln die Varianten jeweils hauptsächlich und warum ist das so? Welche Variante bereitet die meisten Schwierigkeiten beim Schreiben und ist am wenigsten konkret ausgestaltet, und ja, auch hier: warum ist das so? Ach, ach. Sollte Könnte Hätte Würde Los geht's!

17. April 2021

Female Choice von Meike Stoverock

Ich habe gerade das Buch von Meike Stoverock [fraumeike.de] beendet, auf das ich mich schon seit Monaten gefreut habe! Aufgrund vom #masterdesaster [twitter.de] erst jetzt anstatt direkt nach dem Erscheinen im Februar... Ich wurde nicht enttäuscht und bin der Meinung, dass jede*r es lesen [klett-cotta.de] oder den sechsteiligen Podcast hören [open.spotify.com] sollte. Das ist bei mir gar nicht mal so oft der Fall - und weil ich bemerkt habe, dass ich besser verarbeite, wenn ich schriftlich formuliere, mache ich das jetzt einfach mal hier. Auch, weil Meike neulich festgestellt hat, dass Frauen ihr Buch zwar häufig gut finden, das aber dann nicht öffentlich tun...

Das Buch ist ein feministisches und radikales Buch über den jahrtausendealten Einfluss der menschlichen Sexualität auf unser heutiges zivilisiertes Leben. Ich stimme dem nicht Satz für Satz oder Zeile für Zeile immer und 100% zu. Ich kann aber dem Argumentationsbogen von der Beschreibung des Status quo [I] hin zu den biologischen Grundlagen unserer Sexualität [II] und zu einer kulturgeschichtlichen Rückblende in die Anfänge unserer Zivilisation [III] sehr gut folgen. Die Sesshaftwerdung ist also der [ein] Schlüssel für die Grundsteinlegung noch heute gültiger Strukturen und androzentrischer Sozialkonstrukte - wie z.B. der Ehe?! Irre. Aber logisch nach der Darstellung im Buch.

Durch das in den vorangegangenen Kapiteln erarbeitete Vokabular und den historisch sozio-kulturellen Kontext wird danach der Status quo mit seinen Risiken genauer eingeordnet [IV]. Den Abschluss bilden Lösungsvorschläge zur Auflösung des heutigen Geschlechterdilemmas [V], die in Summe und in ihrer Unbedingtheit zwar für mich irgendwie unmöglich klingen, das aber vermutlich zum einen gar nicht sind... und zum anderen von der Autorin durchaus auf lange Sicht, also eher in Hunderter-Jahresskalen angedacht sind.

Female Choice beinhaltet dabei eine gelungene Kombination der drei grundlegenden Perspektiven zur Erklärung von Verhalten und Zuständen, nämlich die der biologisch-naturwissenschaftlichen, der psychologischen und auch die der sozio-kulturellen. Dieses Bio-Psycho-Sozial-Modell wurde von einem Mediziner für die Erklärung der Auswirkungen der Psyche auf unseren Körper entwickelt, es ist aber tatsächlich ein universales Werkzeug zum Verstehen von Zusammenhängen, die Menschen betreffen. Es gibt ja z. B. in der Verhaltensbiologie schon lange die Debatte bezüglich Veranlagungen und Umwelt [engl. nature vs. nurture] - also, was prägt unser aller Handeln mehr: Gene oder Umwelteinflüsse? Und, wichtiger, wie genau macht sich das bemerkbar, und gibt es Wechselwirkungen etc. pp?

Das kann aber aufgrund der Komplexität der beteiligten Einflussfaktoren in der Regel gar nicht eindeutig entschieden werden. Wenn nun nacheinander die drei genannten Blickrichtungen gewählt und dabei jeweils das Thema untersucht wird, erhellen sich schnell gleichermaßen wichtige Details und neue Zusammenhänge. Und immer, wenn man aus nur einer oder zwei der drei Richtungen auf die Sache schaut, geht ein Teil der möglichen Erkenntnis verloren. Diese Integration ist der Biologin Meike Stoverock für mich geglückt - und damit Female Choice ein sehr empfehlenswertes Buch!


18. Januar 2021

"Das Internet langweilt sich" - und ich jetzt nicht mehr.

Damals, 2016, ging offensichtlich ein Stöckchen mit immer neuen 11 Fragen rum, das ich von Novemberregen [Bloglink] bekam bzw. einfach so beantwortete. Weil @novemberregen und @herzbruch1 [Twitter] aber nun als Adventskalender-Podcast [Empfehlung, ich bin noch gar nicht durch...] so schön Fragen vom gesamten Internet besprachen, fiel mir mein alter Post wieder ein und ich bat um einen erneuten Fragenschwung... and here it goes.

1. Für welches Thema/welche Themen begeistern Sie sich?
Nahezu alles, erstaunlich deep. Relativ stabil für Lebewesen/Natur/Biologie, insbesondere Faszien und Pferde und Bewegung, dann Lesen an sich [was auch immer wieder neue Räume öffnet] und Assoziationsketten/Verknüpfung von Wissen/Kreativität.

2. Mit was für einer kleinen Aufmerksamkeit kann man Sie so gut wie immer erfreuen?
Salz[!]lakritz oder Bücherauswahl.

3. Wenn Sie irgendwas aus der Realität löschen könnten, so als wäre es nie dagewesen, und niemand wüsste, dass es geschehen ist oder dass Sie das waren (und wie kleingeistig Sie möglicherweise gewählt haben), was würden Sie löschen?
Small Talk.

4. Würden Sie Ihre Entscheidung zu 3 mit jemandem besprechen (also vorher, nachher würde Ihnen ja sowieso niemand glauben)? Wenn ja, mit wem?
Nein. Eher hinterher, im Sinne von "nun ist es so, please discuss". Und dann gern mit allen [einzeln!].

5. Wie sprechen Sie "Quarantäne" aus? (gerne Klangbeispiel)
KW, ganz klar.

6. Empfehlen Sie ein Buch. Ganz wichtig: nur eins, nicht mehrere. Absolut nur eins. Das ist Ihre Buchempfehlung. Die eine. No pressure.
Darm mit Charme. Alles über ein unterschätztes Organ - Giulia Enders

7. Hassen Sie wen? Wenn ja, wen?
Nein. Zu viel Psychologiewissen für Hass.

8. Fangen Sie in den nächsten 5 Sekunden an, ein Lied zu singen, und schreiben Sie auf, welches es war.
Who wants to live forever - Queen

9. Gibt es Wörter/Phrasen, die Sie ganz besonders doof finden? Gerne mehrere nennen, betrachten wir das als Friedhof, auf dem sie für ewig verscharrt und nie wieder geäußert werden.
"die da oben" "das Management"

10. In welcher Position schlafen Sie?
Mittlerweile meist auf der rechten Seite. [Leider.]

11. Was finden Sie an sich so richtig gut?
Dass ich im Normalzustand SEHR lange brauche, bis ich so richtig vor Wut koche.

Danke, Novemberregen, das hat großen Spaß gemacht! Ich habe wirklich lang für das eine Buch überlegt, aber du hast nicht spezifiziert, ob Empfehlung für dich oder die Allgemeinheit und das macht ja einen großen Unterschied, also habe ich jetzt für "alle" empfohlen.

PS: Learning: mehr bloggen = mehr schreiben = mehr Spaß.

31. Dezember 2020

Das war 2020.

Hier nun alle Beteiligten, in etwa in der Reihenfolge des Einfalls, ohne Absätze, ein Jahr-ein Wust:

Ein abgeschlossenes Exposé "Entwurf einer motivationspsychologischen Präsentismus-Typologie von KrankenhausärztInnen" [final im Februar]. Eine noch nicht abgeschlossene Thesis "Ursachen für Präsentismus von KlinikärztInnen aus motivationspsychologischer Perspektive" [Start war September]. Die Lücke kommt durch Corona und meine Begleitung der Bachelorthesis vom Mann zustande, die er im Mai sehr erfolgreich [!] beendet hat. Ab Juli eine wirklich krasse Reorganisation im Unternehmen, in dem ich arbeite - und damit zwar viel Chaos etc., aber auch endlich die Chance, wirklich nicht-übersteuert Menschen führen [begleiten] zu dürfen. Und btw. die wenigsten Überstunden pro Jahr, seitdem ich dort arbeite [<80, seit April 2015]. Seit April hab ich ungewollt keine Reitbeteiligung mehr, aber gewollt mehrfaches Kurzzeit-Wanderreiten, das mich gar entzückt hat [ICH KANNTE DAS DOCH NICHT!!]. Achso, und reduziert hab ich beruflich ja auch auf 80%, das waren bis Ende August 32h/4 Tage; und weil ich ja immer so viele Überstunden mache, habe ich das ab September auf 35h [immer noch /4 Tage] erhöht, was finanziell zwar geschickt, studientechnisch aber eher äh... naja war bzw. ist. Habe meine Eltern exakt 4x gesehen, was definitiv zu wenig ist, davon zweimal ohne Abstand, einmal vor Corona, einmal [Weihnachten] wegen konsequenter Vorquarantäne. Im Februar war ich beruflich noch in Los Angeles und San Diego, das war einfach geilomat, inkl. Kolibrisichtung in freier Wildbahn. Ansonsten ist der Urlaub komplett flach gefallen, wir waren viel zu Hause und draußen unterwegs; Island2020 mit 2 Freundinnen konnte natürlich nicht stattfinden, aber immerhin haben wir alles Geld wiederbekommen, Flug und Airbnb und Gaststall-Gebühren etc. Wegen Corona und Home Office [Arbeitszimmer neben Klo in kurzer Distanz zur Küche...] habe ich mich nicht mehr bewegt, daher wurde ich unzufrieden und dicker, das gab den Anstoß zu einer ganz gravierenden Ernährungsumstellung von mir und dem Mann - und so kocht er seit mehr als 6 Monaten täglich 2x und wir nahmen zusammen quasi 50kg ab. Irre. Jetzt kann ich wieder meine Schlaghosen tragen aus der Zeit, als ich ca. 16 war - es ist wundervoll. Wir wurden beim anders Essen tatsächlich auch ziemlich sportlich, der Mann ist es noch, ich wegen der Thesis momentan nicht mehr, aber das regelt sich alles wieder; ich muss ja auch nur noch bis Anfang März [4 Wochen Verlängerung, eigentlich war 9.2., woohoooo!]. Der MBSR-Kurs ging gerade noch so in Präsenz kurz vor Corona zu Ende und ich profitiere immer noch. Yoga lief aber leider nicht so gut über's Jahr, so dass ich jetzt keinen Kurs mehr habe, auch nicht via Zoom. War irgendwie nix, keinen Bock mehr. Ich habe Harald Lesch live gesehen bzw. gehört und mache das zukünftig wegen Publikum und Rahmenprogramm eher lieber auf youtube. Wegen Sparens besitze ich jetzt deutlich mehr als 5.000 Euro mehr als vor 1 Jahr... Auch krass, ich verspüre den dringenden Drang, mir etwas großes zu gönnen [weiß aber noch nicht, was]. We will see. Demnächst ist "nach der Thesis" und dann lege ich mir ein CROS-Hörgerät zu, um endlich alle geistige Kapazität für's Denken nutzen zu können, getestet habe ich nämlich dieses Jahr noch so gerade vor/in der Anfangsphase von Corona. Die Teichmolche aus dem letzten Jahr sind im Februar brav fast alle wieder in unseren kleinen Zweiquadratmeterteich zurückgekehrt, haben ordentlich gelaicht und entschwanden im August still und heimlich über Nacht ins umliegende Gebüsch. WIR HABEN UNS DIE BEIDEN KATZEN GEHOLT, endlich, nach nur 5 Jahren des "wir wollen Katzen, aber" ... !! Beste Idee ever und wegen Corona zeitlich auch super entspannt mit der Eingewöhnung - wegen Home Office sind wir so viel zu Hause gewesen wie sonst nie. Ich habe mir das Knie bei einem Hipster-Tretrollerunfall aufgeschlagen und es heilte altersgemäß langsam. Das gibt Demut, zumindest bei mir. Über's Jahr beteiligte Freund:innen und Bekannte: L & S, R, telefonisch N und J, A, das war's auch schon. Der Lesekreis gestaltete sich dieses Jahr schleppend, aber das hat ja auch Gründe - zumindest für mich bin ich mir sicher, dass auch das ab März wieder besser läuft. Das schon 1000 Jahre im Hinterkopf rumorende Buch, das geschrieben werden will, hat durch den Thesisdruck Anschub bekommen und so gibt es nun eine Deadline und ein Hashtag #nonApologie. Puh. Wir haben neue Nachbarinnen - und lieben sie! [Also, naja, das ist vielleicht ein bisschen viel, aber es sind ganz phantastische Menschen und wir hüten gern deren Katzen etc. pp.] Ab diesem Jahr höre ich auch endlich Podcasts, angefangen mit dem Drosten-Ding und jetzt hängengeblieben an bugtales.fm <3 und dem Lob des Gehens. Phan-tas-tisch. - Merkel vergleicht Corona ja häufig mit dem 2. WK, und ich weiß schon, was sie meint und spüre es auch, bei mir und im Umfeld - nichtsdestotrotz war es ein Jahr voller Sachen und Dinge, und das ist es ja immer und auch gut so.

8. Juni 2020

"Quitte, Kohl, Melone und Gurke" - Cotán [1602] - #kunstderwoche

Wie schon bei meinem vorigen #kunstderwoche-Beitrag war es auch bei diesem Bild: gesehenZACK!verliebt.

Juan Sánchez Cotán [Wiki] hat mich mit "Quitte, Kohl, Melone und Gurke" vermutlich deswegen so dermaßen geistig überrannt, weil ich diese Art der Stillleben vorher überhaupt nicht kannte. Ich verband die stillen Lebensbilder bis jetzt ausschließlich mit diesen dunklen prunkigen tuchverhangenen Tischen, auf denen dekorativ Weintrauben, liegende leere Weingläser und Totenschädel verteilt herumliegen, oder auch diverse Obstschalen... [erstere werden Vanitas-Stillleben genannt, wie ich jetzt weiß]. Das hier, das ist etwas ganz anderes, kubistisch-modernes, findet ihr nicht?

Fra Juan Sánchez Cotán 001
[Öl auf Leinwand, 69x 84,5 cm]

Zusätzlich finde ich die Kombination der dargestellten Objekte total reizvoll, im wahrsten Sinne des Wortes - es reizt mich nämlich, länger hinzuschauen, warum gerade diese vier und wieso in dieser Reihenfolge; ich meine, Quitte [Obst!], Kohl [Gemüse!], angeschnittene [!] Melone [Beere = Obst?! Gemüse?!], Gurke [Gemüse!]... was soll das werden? Ein Gericht ja wohl kaum.

Quitten können vom Spätsommer bis in den November geerntet werden. Kohl geht ja immer, ich hab gerade auf Wiki herausgefunden, dass quasi alles Kohl ist - die dortige Übersicht der Kohlarten lohnt sich wirklich mal zu überfliegen! - Über die exakte Melonenart hab ich mir auch eigene Gedanken gemacht, komme aber auf keinen grünen Zweig: Es ist eine Netz- und keine Wassermelone, aber mit schneller Wiki-Recherche finde ich keine, die definitiv in Spanien um 1600 gemalt sein könnte... Evtl. Cantaloupe? Gurke und Melone sind beides Kürbisgewächse, wer hätte das gedacht.

Bei der Suche nach Bildbesprechungen bin ich in Foren gelandet, in denen Nutzer [wie ich] keine Ahnung haben, aber das Bild gleich im ersten Anlauf "zum Lachen" finden [hier die gesamte, echt amüsante Unterhaltung über das Bild], was ich nun gar nicht nachvollziehen kann. Ihr?! Immerhin ist denen auch die hängende Kurvenform der abgebildeten Gegenstände, nennen wir sie Früchte, aufgefallen, die in ihrer Perfektheit bestimmt auch etwas zu sagen hat. Ich vermute, dass der Maler, um das ganze abwechslungsreicher zu machen, die Gegenstände auch immer weiter nach vorn gezogen hat, so dass Gurke und Melonenstück beinahe schon balancieren!

Die Präsentation in einer solchen Steinnische ist Cotáns Erfindung und wurde dann später auch von anderen kopiert. Witzig: Er hat die Nischen laut Wikipedia auf Vorrat gemalt - ein praktischer Mensch also, sehr sympathisch. Praktisch ja auch das Aufhängen an den Fäden, eine damals übliche Praxis, die die Haltbarkeit der Speisen verlängert hat.

Noch kurz die Pflicht, aber nur mit Links, sorry-not-sorry:
Grundsätzliches zum Stillleben ab 1600 auf Wiki, etwas unnerdiger abseits der Wiki vorgestellt hier, und dann gibt es noch den Begriff Bodegón, den ich euch auch nicht vorenthalten kann: "Während im Spanischen die Bodegones mit Stillleben im Allgemeinen, also solchen aus allen Epochen und Kunstlandschaften gleichgesetzt werden, fokussiert sich im internationalen kunsthistorischen Sprachgebrauch der Begriff auf die spezifische Ausprägung dieses Genres in der spanischen Malerei seit 1600."

Es handelt sich bei unserer Nische also in jedem Fall um ein Bodegón, vermutlich ohne religiösen symbolischen Bezug, weil Cotán erst kurz danach zum Mönch wurde. Tataa.

PS: Ausgestellt ist es in San Diego/CA, falls jemand es in echt bewundern möchte? [Ich war im Februar in San Diego, aber natürlich leider nicht in dem Museum...]

11. Mai 2020

Krøyer & Krøyer und Skagen - #kunstderwoche

Weil Novemberregen mehr Einblick in Kunst haben will, "dürfen" wir für sie über unsere Lieblingsbilder oder MalerInnen schreiben? Na gut. Witzig daran ist, dass ich auch keine Ahnung hab, aber eben nicht einfach mal die Fresse halte, sondern direkt sowas twittere:


... und ZACK, war ich gefangen in meiner Zusage.

Gut, jetzt habt ihr das Bild also schonmal gesehen, das mich zufällig schon ein paar Tage VOR Novemberregen's Aufruf in Aufruhr versetzte. Dieses Licht auf den Blättern, Nacken und Scheiteln! Unglaublich, was da für eine Stimmung rüberkommt. Und dann heißt dieses Bild aus dem Jahr 1888 auch noch "Hip, Hip, Hurra!" - besser geht's echt nicht.

Als ich dann den Wiki-Artikel von dem zugehörigen dänischen Maler [Peder Severin Krøyer] las und darin die Skagen-Maler [und Skagen!1] entdeckte, war ich eigentlich schon satt und zufrieden. Vorher kannte ich "Skagen" zwar auch, aber nur als Uhrenhersteller von sehr, sehr flachen Uhren [Gruß an Papa!], nicht als wunderschönen dänischen Ort mit unter 10.000 Einwohnern.

Schon auf wenigen Fotos und Bildern sieht man, dass in Skagen eine besondere Stimmung herrscht; laut Wiki liegt das am Licht [es ist die Nordspitze Dänemarks, rundherum nur Meer, hohe Nordlage], was einer der Gründe war, warum sich die ganzen Maler jährlich dort zum Malen trafen. Quasi ein Mal-Retreat, oder auch eine Art Sommer-Workshop; ich musste beim Stöbern tatsächlich kurz "Klassenfahrt für Erwachsene" denken... aber was weiß ich schon.

Prinzipiell gefallen mir alle Bilder von P. S. Krøyer, er hat viel Fischerei- und Meeres-Szenerie gemalt, immer mit wahnsinnig detailliert-realistischen Menschen; bloß Feuer, Feuer kann er nich', finde ich.

Ich weiß nicht mehr genau, wie, aber dann stieß' ich auf eine Art Doppelportrait von ihm und seiner Frau Marie - er malte sie und sie ihn [Bild auch via Wiki, wie quasi alles hier]:

 
Wun-der-schön, ist es nicht?!

Die Darstellung des jeweils anderen in der eigenen Zeich[n]en-Sprache, beide lassen einander ausreden, die Schönheit im jeweiligen Auge des Betrachters kommt voll zur Geltung [nein, beide waren in der Realität jeweils nicht gar so symmetrisch] ...

Sie malte also offensichtlich auch, eher impressionalistisch, aber nicht weniger schön. Trotz seiner Bekanntheit und ihrer Nähe zur Maler-Szene gelang ihr nie der Durchbruch [sie hatte halt auch zwei Kinder undsoweiterundsofort etc. zu versorgen, und dann noch ihn, s.u.], aber immerhin gibt es 20 registrierte Gemälde von ihr, darunter so etwas phantastisches:

Interioer med syende pige

Leider ist er ca. 1900 psychisch schwer erkrankt, die Ehe wurde zerrüttet, sie lernte auf Sizilien [in Taormina <3, ich habe eine Beziehung zum Land und dem Ort] einen anderen kennen. Tatsächlich führten sie dann eine Art Dreiecksbeziehung, bevor Marie den anderen heiratete, aber da wusste sie schon, dass der sie betrog, und auch das ging in die Brüche, zuletzt starben beide Krøyers einsam. Er aufgrund seiner Erkrankung, sie, weil sich ihre Töchter abwandten und ihre neue Ehe auch nicht funktionierte, s.o.

Bei den Skagen-Malern gab es übrigens nur eine weitere Frau neben Marie, Anna Ancher, die wahnsinnig viel gemalt hat, und auch wahnsinnig schön, und modern, wobei dieser Eindruck vermutlich nur wegen meiner schwarzweißigen Vorstellung vom 19. Jahrhundert entsteht... :

Little Girl with Flower by Anna Ancher, pastel

Ja, dieses Bild ist von 1885 [und nicht aus 1980!].

Noch ein Fun Fact: Wir waren kürzlich zum ersten Mal vom Vermieter zum socially distanced Outdoortreffen bei ihm in seine "Landwohnung" eingeladen und auf was für ein Bild laufen wir quer durch den kunstvoll verwilderten, wunderschönen Garten zu? Hip, Hip, Hurrah!, als großer Druck auf seiner riesigen überdachten Außenveranda hängend. Wunderschön.

PS: Es sind nach mir viele Wochenslots frei, die doch bitte-gern mit cooler #kunstderwoche belegt werden möchten - bewerbt euch!11

PPS: Ich habe hier so viele Aspekte nicht beleuchtet, die Maltechniken, die Entwicklung von Skagen als Künstler- und Tourismus-Ort, die Darstellungen der Frauen in den von Männern gemalten Gemälden versus der in ihren eigenen und das wiederum in Relation zum Feminismus, ... aber man kann ja nicht aus allem ein neverending #masterdesaster machen, u know? -.-

1. September 2019

Verhandlungssache.

Ich bin etwa 15 und gefühlt King Louie an meiner Schule, kenne alle und jeden und helfe regelmäßig 2x die Woche in der großen Pause im neuen Schulkiosk aus. Am Kiosk Sachen verkaufen = keine eigene Pause haben. Ich esse also in der Stunde danach einfach kurz zu Beginn mein Pausenbrot und mache während der Kaupausen [wie immer] aktiv am Unterricht mit. In Deutsch gab es vor kurzem die mündlichen Noten des Viertelhalbjahres, ich hatte eine 2+ bekommen - insofern war das für mich tutti.

Eines Tages sieht mich aber die Deutschlehrerin an, wie ich so still am Kauen bin ... und rastet völlig aus: "Das ist eine FRECHheit, hier im Unterricht zu essen, dazu gibt es PAUsen! ..." etc. pp. Ich dachte echt, mich tritt ein Pferd! "Aber Frau H., ich mache das doch immer donnerstags, das stört doch keinen, außerdem war meine mündliche Note neulich doch völli" NEIN, bei Frau H. im Kopf war kein Durchkommen, sie schimpfte munter weiter. Ich hatte keine Lust dazu: "Können wir das nicht vielleicht zu zweit in der Pause klären? Ich höre jetzt auf, zu essen." Ja, immerhin dazu war sie bereit.

Nach dem Gong ging ich also zu ihr und erzählte ihr von meiner großen Pause im Schulkiosk, die für das Schulbrot nicht nutzbar war und von der daraus folgenden Notwendigkeit, in den ersten Minuten der Stunden danach mein verdammtes Klappbrot zu essen. Naja, ohne "verdammt". Coolerweise sah sie das ein [!] und eröffnete die nächste Deutschstunde mit einer Ansage [!] , in der sie mir als Ausnahme das Essen meines Brotes in den ersten 10 Minuten erlaubte [!].

Ich zehre heute noch von dem Triumph und freu mich häufig darüber, dass ich mit mehr Alter tatsächlich noch immer besser im ruhigen die Leute aus ihrer Aggrozone-holen werde.

Ich muss mich mal wieder beschweren.

[September 2019: Das ist Jahre her, ich hatte offensichtlich das Veröffentlichen nach dem erprobten über-Nacht-reifen-lassen vergessen]

[Wer Zahnarztphobie hat, liest das vielleicht besser nicht, denn es ist ein recht detaillierter Bericht.]

Weil ich noch was zwischen den Zähnen hatte, prökelte ich mir mit dem Zeigefinger hinten oben im Mund rum. Plötzlich ertastete ich einen Hubbel außen am Oberkiefer: schmerzfrei, aber doch deutlich da. Nach wenigen Sekunden meldete mir mein Hirn, dass das direkt über dem bereits mehrfach wurzelbehandelten und resektionierten Zahn war! Alarmstufe rot, super, danke, ich weiß Bescheid. Man hatte mir nämlich damals gesagt, nach der REsektion käme nur noch die EXtraktion, das ex steht dann leider für "raus". Hrmpf.

Das war gestern Abend [Freitag], also bin ich erst heute morgen zum Notzahnarzt gegangen; die hat mich allerdings absolut nicht überzeugt. Schlimmer, ich hab danach erstmal geflennt und während der Behandlung [zum ersten Mal in meinem Leben] nachempfinden können, wie es Angst-Patienten beim Zahnarzt wahrscheinlich geht: handlungs- und optionsentbunden. Dazu noch schlecht versorgt. Und das ging so:

Ich wartete ewig. Das fand ich nicht schlimm, schließlich war die Ärztin nur mit einer Helferin am Gange und das Wartezimmer proppevoll. Anfangs füllte ich die Anamnese aus [welche Krankheiten, schwanger ja/nein, Allergien etc.] und hatte ansonsten Spaß mit dem aktuellen Spiegel und meinem Handy [wiki und Twitter]. Aber während ich so mit den anderen wartete, fiel mir auf, dass tatsächlich die Türen zu beiden Behandlungszimmern weit offen standen und wir alle gezwungen waren, jedes Wort, jedes Bohren, einfach alles aus den jeweils stattfindenden Untersuchungen und Behandlungen mitzuhören [WTF]. Ich kann das nicht ab, es gibt ja auch so etwas wie die Schweigepflicht! Zum einen möchte ich nicht, dass das gesamte Wartezimmer meine Zahnprobleme kennt, zum anderen möchte ich nicht die Probleme anderer kennen müssen - und noch dazu ist es für Leute mit Angst/Panik ja eventuell noch zusätzlich schwieriger als eh schon, wenn bereits vor der eigenen Behandlung der Bohrer bei anderen sirrt.

Nachdem ich zum blauen Zimmer geführt und auf dem Stuhl positioniert wurde, wartete ich noch ein Weilchen, das war aber gänzlich unspektakulär und somit nicht weiter beschreibenswert.

Die Ärztin kam herein und trug Gummihandschuhe und Mundschutz [lobenswert, aber waren die Handschuhe frisch? Who knows...], die Assistentin war ohne unterwegs. Sie schauten beide in meinen Mund und die Ärztin stocherte ein bisschen am Oberkiefer herum. "Oh, ja, das müssen wir röntgen. Sind Sie schwanger?" Offensichtlich hatten beide meine Anamnese nicht gelesen [WTF], in der auch so wichtige Dinge wie meine Penicillin-Unverträglichkeit und die Frage nach der Schwangerschaft abgehandelt waren. Na gut. Rein ins Röntgen, die Assistentin fragte MICH, ob es gepiepst = der Apparat geröntgt hat [WTF] und wir gingen nach meinem "Ja." wieder in das blaue Zimmer, ich auf den blauen Stuhl. Alle außer mir verschwanden.

Nach mittellanger Wartezeit kam die Ärztin allein rein und fing einfach mal an: "Das schneide ich auf." Sie holte eine Spritze, spritzte die Luft aus der Nadel und mir tropfte dabei ein Schwall Narkotikum auf den rechten Handrücken. Ich wischte mir die Hand an der Hose ab, da tropfte es gleich nochmal, diesmal auf meinen Bauch/Pullover. Sie hat das nicht einmal bemerkt [WTF]. Ich hatte den Mund [subjektiv] voll mit Narkosemittel. "Kann ich spülen?" "Oh, ja klar, ich war gerade abgelenkt... " [WTF] Und wieder raus war'se.

Und wieder rein [natürlich bei offener Zimmertür]. Erneut fing sie einfach an, ohne mir irgendwas zu sagen - was sie tut, mit welchen Sachen und wie und warum und überhaupt. Ich lag da mit offenem Mund, wurde vom Licht krass geblendet und beschloss, dass das nun nicht auch noch sein muss: "Können Chie die Lamke ein gisschen tiefe schkellen? Ich kang chonst die Augen ni auflassen, gas glendet cho." Sie lachte belustigt: "Ach, einige wollen gar nicht gucken...", aber immerhin stellte sie die f*cking Lampe runter. Sie hat dann meinen Oberkiefer nicht mit so'ner Kompressenrolle [kennt'er?] trockengelegt, nicht mit dem Luftblasdings Speichel weggetrocknet und auch nicht alles immer offengelegt gelassen, sondern die Lippe einfach zurückgeflappt und zwischendurch was anderes gemacht. Nobody knows.

Die Arzthelferin kam rein und hielt mir endlich den Sauger - das war bitter nötig; anscheinend schnitt die Frau Dr. schon länger, der Geschmack war nämlich 1A Blut. Ich durfte dann zusätzlich noch schön anderer Leute Atem riechen, denn wie gesagt: kein Mundschutz bei der Arzthelferin und Mundatmung bei mir gerade nicht en vogue. Das war echt unsuper. Die beiden taten dann gemeinschaftlich mir unbekannte Dinge an meinem Kiefer und die Ärztin ging quasi schon raus mit den Worten: "Ich habe Ihnen einen Streifen drübergemacht. Sie kommen morgen wieder, dann wechseln wir." Ich war völlig verwirrt. Streifen? Sowas wie ein Pflaster? Und wie hält das dann, außen an meinem Kiefer? Und... äh: "Muss der Zahn dann raus, jetzt, wo er sich wieder entzündet hat?" "Neinnein, wenn das nicht immer wieder losgeht, kann der drin bleiben." ACH. WAS. [WTF]

Ich merkte, dass ich den ganzen Ekel-Seiber trotz Absaugens noch im Mund hatte und fragte: "Darf ich das ausspucken?" "Neinnein, nicht spülen, das ist nicht gut für die Wunde!" "Äh, ja - deswegen ja auch spucken - ich würde gern einmal ausSPUCKEN!" "Achso, klar, das geht... " Eine Serviette oder sowas bekam ich aber nicht. [Ich spare mir mal das WTF...]

Ich fragte die Helferin nach dem Vorgehen - letzten Endes stellte sich heraus, dass die Ärztin einen Mullstreifen in der geschnittenen Öffnung platziert hatte, damit das offen bleibt und eventuell noch Eiter abfließen kann. Diesen Streifen sollte ich bitte morgen [Sonntag] wechseln kommen, am Montag dann damit zu meinem Zahnarzt gehen. Nichts! lieber! als das!1elf

Extended Reading

Ich war zweimal für eine Woche in dem gleichen Center Parc. Nicht, wie man vermuten könnte, als Kind, sondern während des Studiums [ich war ~22], mit meiner Freundin und ihrer ausgeweiteten Familie bestehend aus ihren Eltern [Ende 4o], ihrer Schwester [14], dem Bruder der Mutter und dessen Frau [ebf. Ende 4o] sowie deren Sohn [19]. UND ES WAR GROSSARTIG!

Das ist ja nun sage und schreibe schon mehr als 1o Jahre her und ich weiß gar nicht mehr genau, wann wir was und wie in welcher Abfolge genau gemacht haben, aber an die entspannte Stimmung erinnere ich mich noch sehr gut. Wir haben uns trotz [oder wegen?] des unterschiedlichen Alters alle super verstanden und sind bzw. waren, so höre und staune, ALLESAMT Leseratten. Wo gibt's denn sowas? :D

Der Urlaub bestand denn auch in schöner gelebter Ritualität aus dem gemeinsamen Frühstück, dann Gang nach Canossa in die Glaskuppel [wer Center Parcs nicht kennt, kann sich hier [centerparcs.de] kurz einschwingen], Belagerung des schönsten, für unsere Gruppengröße geeigneten Liegenplatzes unter Palmen, Verteilen des Lesestoffs und einer ersten Runde Plantschen. Dann kollektives Lesen. Was war das scheeeee :)!!

Bei akuter Wasserlust trennte sich dann und wann eine oder einer von der Gruppe, mal allein, mal gesammelt und gehäuft - und wie das ja quasi DAS Merkmal einer gut funktionierenden Gruppe ist, war es [zumindest mir] immer total egal, wer dann mitkam, wenn ich fragte. Hat ja alles mit jeder Spaß gemacht! Hachja. Und wenn ich zurückkam, haben alle immer noch... gelesen. Ich glaube, dieser Punkt teilt meine Leserschaft jetzt in "Boah, laaaaaaaaangweilich, Alde!" und in "Cool! Hört sich geil an." - oder? Für mich war's der Himmel.

Abgesehen davon haben wir eigentlich nichts unternommen. Ich war vielleicht nochmal unter der Höhensonne [jaja, ich war jung und brauchte die Bräune -.-] und wir haben so'nen komischen Animations-Abend mitgemacht, Flamenco und so, Center Parcs halt.

[Bisher unveröffentlichtes und unbeendetes Fragment]

14. Juli 2019

Geschenkegedanken.

tl;dr [wiki]: Nähe und Zusammenhalt sind erstrebenswert und können durch bedachte Geschenkauswahl implizit gestärkt werden.

In Kaiserslautern hab ich mit > 5 Frauen regelmäßig Kleidertauschparties veranstaltet. Wir waren alle unterschiedlich, sowohl gebaut als auch vom Stil her - aber das ist, wie ich mittlerweise weiß, irrelevant für den Erfolg und das tolle Gefühl nach solchen Treffen. Persönlich mag ich, dass ich, wenn ich Kleidung oder Schmuck von Freundinnen [oder auch nur gern gesehenen Bekannten] trage, die Person dichter bei mir habe, sie auf diese Weise in meinen eigenen Alltag mitnehmen kann. Das fühlt sich gut an.

Über die letzten zwei oder drei Jahrzehnte hat sich in meinem Umfeld das Schenken von Gutscheinen verstärkt. In meiner Familie auch, allerdings vor allem mit gemeinsamem Veranstaltungsinhalt [fast egal was: Besichtigung einer industriellen Produktion, Besuche in großen Zoos oder auch von kleinen Städten...]. Unabhängig davon, dass wir im Moment den Gutscheinevents hinterherhinken, bieten die dadurch entstandenen Ausflüge und auch kuriosen Treffen tolle Erinnerungen und Erfahrungen, nämlich gemeinsame. Das ist schön.
- Für Arbeitskolleginnen, die ich kaum kenne, sind Gutscheine aller Art natürlich nach wie vor die Option der Wahl, weil man unbekannt schenkend ja auch so viel falsch machen kann!

Die reinen Geldgeschenke, die ich insbesondere während der Teenagerzeit von allen Seiten bekam, waren nur in dieser für andere unberechenbaren und eigentlich immer alles lieber "selbst/alleine entscheiden und machen" wollenden Zeit für mich passend. Schließlich wusste ich da selbst nicht, was ich nächste Woche wollen oder gar morgen gleich dringend brauchen würde. Wenn zB meine Eltern mir/uns heute Geld für zB eine Küche bezuschussen, die längst bezahlt ist, ist das generell zwar immer noch super, das Geld fließt implizit natürlich auch irgendwie dahin... ABER: wenn nicht sofort etwas anderes, möglichst [in diesem Beispiel] küchenverwandtes, definiertes Stoffliches für das Geld gekauft wird, hat das Geschenk in der Erinnerung nicht zu hundert Prozent stattgefunden, habe ich für mich festgestellt. Und das ist schade.

Ansonsten: Bücher gehen bei mir immer. Witzigerweise ist es für mich völlig ok, eine lange Buchliste zur Auswahl zu stellen - und dann zu sehen, was daraus für die Schenkerin als passendes Geschenk für mich ausgewählt wurde. Sagt ja eben etwas über die Person selbst und ihre Sicht auf die Beziehung zu mir bzw auf mich als Mensch aus! Sehr interessant. Das Buch verbindet mich beim Lesen dann mit dieser Person, ich spreche hinterher mit ihr über den Inhalt und wir teilen wieder ein Stück Gedankenwelt mehr. Das verbindet.

Genauso schön wie die empfundene Nähe beim Lesen eines geschenkten Buchs oder beim Tragen eines getauschten Pullovers ist auch das Kohärenzgefühl bei der Nutzung von sonstigen stofflichen Nutz-Geschenken von lieben Menschen, ob ich die Sachen nun oft oder eher selten in der Hand habe. - Immer, wenn es mir selbst gelingt, sowas für andere zu finden, geht es auch mir total gut. Win-win.

Gedankengeschenke sind einfach die besten.


PS: Ab sofort sind das männliche und alle anderen Geschlechter hier im Blog immer mitgemeint, zwecks besserer Lesbarkeit nutze ich nur noch die weibliche Form. [Ähnliches steht auch vor allen meinen Seminararbeiten für die Uni. Hö hö.]

1. Januar 2019

Introspektive.

Ich war auf einer Party mit dem Titel Konfettiliebe [<3] und so sah ich da aus, ganz rechts [instagram]. Am Anfang war es scheiße weil wegen schlechter Musik, leer und es war eine Mischung zwischen Schul- und Studentenparty, später wurde es dann großartig, weil einfach alles passte.

Auffällig war der ca. 19jährige Typ, der sich mit der im Schwarzlicht leuchtenden Schminke von den Mädels im Eingang die Augen umranden lassen hatte [quasi alle anderen hatten Punkte im Gesicht]. Er lachte nicht, redete mit niemandem, stand und saß stundenlang allein in der Gegend rum, ohne etwas zu trinken. Und guckte neutral. Ab und zu kritzelte er einen Liedtitel auf die Pen and Paper-Wunschliste vor dem DJ, das erste verifiziert von ihm dort geschriebene Wort war "Loneliness", und ja, in Anführungszeichen. In seiner spröden Art, Teil dieser Party zu sein, war er mir von Anfang an sympathisch.

Ich tanzte ohne Ende, trank Mexikaner und war auch sonst top in Form. Irgendwann passte es gerade, also ging ich zum Grufti, stellte mich neben ihn mit dem Rücken an die gleiche Thekenkante und "Darf ich dich mal was fragen, interessiert mich, echt - hast du überhaupt Spaß hier?! Du stehst die ganze Zeit rum, tanzt nicht... hast du überhaupt Spaß?" Ich lasse ihm Zeit mit der Antwort, gucke nach vorn auf die anderen Menschen und lehne weiter entspannt an der Theke.

Er nach kurzer Zeit: "Ich hoffe immer, jemanden zu treffen." Darauf sage ich lieber nichts.

Beim schweifenden Blick über die Tanzenden und Schnatternden muss ich grinsen und es fällt mir doch noch etwas ein, das ich fragen möchte: "Menschen sind schon lustig, so, findest du nicht?" Ich nicke in Richtung aller da vorn. Er stimmt zu und - lächelt. Die Musik wechselt abrupt in Richtung supertanzbar, ich "Sorry, dazu muss ich jetzt! ... "; er entschuldigt und ich tanze weg.

Sehr viel später hatte ich meine beiden Begleitungen an andere verloren [sowas macht mir nix]; ich tanzte erst ein bisschen mit der anonymen Menge und stellte mich dann nochmal neben Grufti, denn den kannte ich ja schon.

Wir redeten wieder, ohne uns anzugucken, erst ich: "Ich war noch nie hier - du?" "Doch, schon öfter. ... Kommst du denn nicht aus Hannover? Woher kommst du?" "Ich komme aus Oldenburg. Zwischendurch war ich lange in Kaiserslautern, Hannover gefällt mir aber besser. - Woher kommst du denn?" Er: "Eigentlich aus Sachsen-Anhalt, ich bin aber schon seit 12 Jahren hier in Hannover. - Ich überlege, nach Bremen zu ziehen. Wie findest du Bremen?" Was für eine Frage. "Bremen mag ich nicht, da kommt mein Papa zwar her, ist mir aber zu viel Industrie und Großstadt, Hannover ist schöner ... nee, Bremen ist nix für mich. - Warum magst du Bremen?" Darauf kam leider nix mehr, hatte er sich wohl noch gar nicht richtig überlegt. Wir waren uns wenigstens noch kurz einig, dass es auch schon ganz schön spät ist [3:43 oder so war's]...

Nach längerem Schweigen kam er irgendwo zwischen Geradeaus- und Seitenblick mit "Ich mach' mich jetzt auch mal auf den Weg!", ich "Ok, klar, tschüss!", er "Tschüss!", und weg.

Das war eine echt angenehme Party-Begegnung, was meine Begleitungen nicht verstanden haben, glaube ich. Aber was soll ich sagen, außer [wie immer schon und immer mehr]: Ich mag Menschen. - Auf ein total menschliches 2019!



PS: Neues Jahr, neues Glück. Ab Februar wird täglich gebloggt, "Aber obacht: it's Klausurenphase, man!" [youtube].

29. Juli 2018

begegnung der dritten art

an einem mittwoch, es ist 11:53, ich hatte mir freigenommen, um für die letzte klausur zu lernen. zur erholung und abwechslung fuhr ich kurz mit der bahn nach linden und holte im lieblingsbuchladen annabee das buch für das lesedings ab.

dann via REWE nach hause. an der kasse zwei lange schlangen, draußen bullenhitze, drinnen klimaklima [sic]. alle stehen geduldig und schweigend an, dann öffnet sich eine 3. kasse. wir strömen. kleine pferdeschwanz-frau in capris, sneakers, mit stramm gegurteter bauchtasche, rucksack und basecap bulldozert von direkt hinter mir halbrechts ellenbogig an mir vorbei, ihre resolute bugwelle drängt mich zur seite und ich muss fast lachen: "müssen sie sich unbedingt vordrängeln?!" keine reaktion.

ich, immer noch irgendwie amüsiert: "na, das war aber SCHON ein bisschen dreist, wa?" sie dreht sich um, schießt mir einen blick: "ich habs eilig, ich muss zur ARbeit - und sie?!!" blick von oben nach unten über mein sommer-outfit bis zu den orangen zehenschuhen, dann triumphierend: "nach hause, wie's aussieht.", mit all der verachtung der arbeitenden klasse, die sie im REWE zur mittagszeit gerade so finden konnte.

und dann die krönung: "wer zuerst kommt, mahlt zuerst, wissen sie?" in meinen augen war das die innere heimliche einsicht über die unkorrektheit ihres verhaltens, aber ach. herrje.

da konnte ich also gar nichts mehr darauf antworten, was nicht mega-unverschämt gewesen wäre [ihr wollt meine ideen nicht hören, glaubt mir], daher entschied ich mich, nur noch zu lachen, weil das  ja auch immer noch in mir blubberte. zu ihr dann nur: "hauptsache, SIE behalten ihre laune." "DAS ist für mich KEIN problem." säuerlich und vor allem immer noch: bierernst. ICH hingegen musste während der restlichen wartezeit ständig wieder kichern, das hat sie aber ignoriert.

als ich rauskam, sah ich gerade noch, wie sie mit beiden armen steif rechts und links wedelnd energisch ihre schritte beschleunigend ein älteres ehepaar beim von rechts überholen anschnitt, um über den zebrastreifen zu ihrer bahnhaltestelle und ihrer arbeit zu kommen.

boah ey.

ps: das interessanteste an dieser ganzen geschichte ist allerdings das gefühl, das sie mit ihrer verachtungshaltung mir gegenüber, die ich nun MEINE verachtung mit aller macht heruntergeschluckt hatte, in mir erzeugt hat.