18. Januar 2021

"Das Internet langweilt sich" - und ich jetzt nicht mehr.

Damals, 2016, ging offensichtlich ein Stöckchen mit immer neuen 11 Fragen rum, das ich von Novemberregen [Bloglink] bekam bzw. einfach so beantwortete. Weil @novemberregen und @herzbruch1 [Twitter] aber nun als Adventskalender-Podcast [Empfehlung, ich bin noch gar nicht durch...] so schön Fragen vom gesamten Internet besprachen, fiel mir mein alter Post wieder ein und ich bat um einen erneuten Fragenschwung... and here it goes.

1. Für welches Thema/welche Themen begeistern Sie sich?
Nahezu alles, erstaunlich deep. Relativ stabil für Lebewesen/Natur/Biologie, insbesondere Faszien und Pferde und Bewegung, dann Lesen an sich [was auch immer wieder neue Räume öffnet] und Assoziationsketten/Verknüpfung von Wissen/Kreatitivät.

2. Mit was für einer kleinen Aufmerksamkeit kann man Sie so gut wie immer erfreuen?
Salz[!]lakritz oder Bücherauswahl.

3. Wenn Sie irgendwas aus der Realität löschen könnten, so als wäre es nie dagewesen, und niemand wüsste, dass es geschehen ist oder dass Sie das waren (und wie kleingeistig Sie möglicherweise gewählt haben), was würden Sie löschen?
Small Talk.

4. Würden Sie Ihre Entscheidung zu 3 mit jemandem besprechen (also vorher, nachher würde Ihnen ja sowieso niemand glauben)? Wenn ja, mit wem?
Nein. Eher hinterher, im Sinne von "nun ist es so, please discuss". Und dann gern mit allen [einzeln!].

5. Wie sprechen Sie "Quarantäne" aus? (gerne Klangbeispiel)
KW, ganz klar.

6. Empfehlen Sie ein Buch. Ganz wichtig: nur eins, nicht mehrere. Absolut nur eins. Das ist Ihre Buchempfehlung. Die eine. No pressure.
Darm mit Charme. Alles über ein unterschätztes Organ - Giulia Enders

7. Hassen Sie wen? Wenn ja, wen?
Nein. Zu viel Psychologiewissen.

8. Fangen Sie in den nächsten 5 Sekunden an, ein Lied zu singen, und schreiben Sie auf, welches es war.
Who wants to live forever - Queen

9. Gibt es Wörter/Phrasen, die Sie ganz besonders doof finden? Gerne mehrere nennen, betrachten wir das als Friedhof, auf dem sie für ewig verscharrt und nie wieder geäußert werden.
"die da oben" "das Management"

10. In welcher Position schlafen Sie?
Mittlerweile meist auf der rechten Seite. [Leider.]

11. Was finden Sie an sich so richtig gut?
Dass ich im Normalzustand SEHR lange brauche, bis ich so richtig vor Wut koche.

Danke, Novemberregen, das hat großen Spaß gemacht! Ich habe wirklich lang für das eine Buch überlegt, aber du hast nicht spezifiziert, ob Empfehlung für dich oder die Allgemeinheit und das macht ja einen großen Unterschied, also habe ich jetzt für "alle" empfohlen.

PS: Learning: mehr bloggen = mehr schreiben = mehr Spaß.

31. Dezember 2020

Das war 2020.

Hier nun alle Beteiligten, in etwa in der Reihenfolge des Einfalls, ohne Absätze, ein Jahr-ein Wust:

Ein abgeschlossenes Exposé "Entwurf einer motivationspsychologischen Präsentismus-Typologie von KrankenhausärztInnen" [final im Februar]. Eine noch nicht abgeschlossene Thesis "Ursachen für Präsentismus von KlinikärztInnen aus motivationspsychologischer Perspektive" [Start war September]. Die Lücke kommt durch Corona und meine Begleitung der Bachelorthesis vom Mann zustande, die er im Mai sehr erfolgreich [!] beendet hat. Ab Juli eine wirklich krasse Reorganisation im Unternehmen, in dem ich arbeite - und damit zwar viel Chaos etc., aber auch endlich die Chance, wirklich nicht-übersteuert Menschen führen [begleiten] zu dürfen. Und btw. die wenigsten Überstunden pro Jahr, seitdem ich dort arbeite [<80, seit April 2015]. Seit April hab ich ungewollt keine Reitbeteiligung mehr, aber gewollt mehrfaches Kurzzeit-Wanderreiten, das mich gar entzückt hat [ICH KANNTE DAS DOCH NICHT!!]. Achso, und reduziert hab ich beruflich ja auch auf 80%, das waren bis Ende August 32h/4 Tage; und weil ich ja immer so viele Überstunden mache, habe ich das ab September auf 35h [immer noch /4 Tage] erhöht, was finanziell zwar geschickt, studientechnisch aber eher äh... naja war bzw. ist. Habe meine Eltern exakt 4x gesehen, was definitiv zu wenig ist, davon zweimal ohne Abstand, einmal vor Corona, einmal [Weihnachten] wegen konsequenter Vorquarantäne. Im Februar war ich beruflich noch in Los Angeles und San Diego, das war einfach geilomat, inkl. Kolibrisichtung in freier Wildbahn. Ansonsten ist der Urlaub komplett flach gefallen, wir waren viel zu Hause und draußen unterwegs; Island2020 mit 2 Freundinnen konnte natürlich nicht stattfinden, aber immerhin haben wir alles Geld wiederbekommen, Flug und Airbnb und Gaststall-Gebühren etc. Wegen Corona und Home Office [Arbeitszimmer neben Klo in kurzer Distanz zur Küche...] habe ich mich nicht mehr bewegt, daher wurde ich unzufrieden und dicker, das gab den Anstoß zu einer ganz gravierenden Ernährungsumstellung von mir und dem Mann - und so kocht er seit mehr als 6 Monaten täglich 2x und wir nahmen zusammen quasi 50kg ab. Irre. Jetzt kann ich wieder meine Schlaghosen tragen aus der Zeit, als ich ca. 16 war - es ist wundervoll. Wir wurden beim anders Essen tatsächlich auch ziemlich sportlich, der Mann ist es noch, ich wegen der Thesis momentan nicht mehr, aber das regelt sich alles wieder; ich muss ja auch nur noch bis Anfang März [4 Wochen Verlängerung, eigentlich war 9.2., woohoooo!]. Der MBSR-Kurs ging gerade noch so in Präsenz kurz vor Corona zu Ende und ich profitiere immer noch. Yoga lief aber leider nicht so gut über's Jahr, so dass ich jetzt keinen Kurs mehr habe, auch nicht via Zoom. War irgendwie nix, keinen Bock mehr. Ich habe Harald Lesch live gesehen bzw. gehört und mache das zukünftig wegen Publikum und Rahmenprogramm eher lieber auf youtube. Wegen Sparens besitze ich jetzt deutlich mehr als 5.000 Euro mehr als vor 1 Jahr... Auch krass, ich verspüre den dringenden Drang, mir etwas großes zu gönnen [weiß aber noch nicht, was]. We will see. Demnächst ist "nach der Thesis" und dann lege ich mir ein CROS-Hörgerät zu, um endlich alle geistige Kapazität für's Denken nutzen zu können, getestet habe ich nämlich dieses Jahr noch so gerade vor/in der Anfangsphase von Corona. Die Teichmolche aus dem letzten Jahr sind im Februar brav fast alle wieder in unseren kleinen Zweiquadratmeterteich zurückgekehrt, haben ordentlich gelaicht und entschwanden im August still und heimlich über Nacht ins umliegende Gebüsch. WIR HABEN UNS DIE BEIDEN KATZEN GEHOLT, endlich, nach nur 5 Jahren des "wir wollen Katzen, aber" ... !! Beste Idee ever und wegen Corona zeitlich auch super entspannt mit der Eingewöhnung - wegen Home Office sind wir so viel zu Hause gewesen wie sonst nie. Ich habe mir das Knie bei einem Hipster-Tretrollerunfall aufgeschlagen und es heilte altersgemäß langsam. Das gibt Demut, zumindest bei mir. Über's Jahr beteiligte Freund:innen und Bekannte: L & S, R, telefonisch N und J, A, das war's auch schon. Der Lesekreis gestaltete sich dieses Jahr schleppend, aber das hat ja auch Gründe - zumindest für mich bin ich mir sicher, dass auch das ab März wieder besser läuft. Das schon 1000 Jahre im Hinterkopf rumorende Buch, das geschrieben werden will, hat durch den Thesisdruck Anschub bekommen und so gibt es nun eine Deadline und ein Hashtag #nonApologie. Puh. Wir haben neue Nachbarinnen - und lieben sie! [Also, naja, das ist vielleicht ein bisschen viel, aber es sind ganz phantastische Menschen und wir hüten gern deren Katzen etc. pp.] Ab diesem Jahr höre ich auch endlich Podcasts, angefangen mit dem Drosten-Ding und jetzt hängengeblieben an bugtales.fm <3 und dem Lob des Gehens. Phan-tas-tisch. - Merkel vergleicht Corona ja häufig mit dem 2. WK, und ich weiß schon, was sie meint und spüre es auch, bei mir und im Umfeld - nichtsdestotrotz war es ein Jahr voller Sachen und Dinge, und das ist es ja immer und auch gut so.

8. Juni 2020

"Quitte, Kohl, Melone und Gurke" - Cotán [1602] - #kunstderwoche

Wie schon bei meinem vorigen #kunstderwoche-Beitrag war es auch bei diesem Bild: gesehenZACK!verliebt.

Juan Sánchez Cotán [Wiki] hat mich mit "Quitte, Kohl, Melone und Gurke" vermutlich deswegen so dermaßen geistig überrannt, weil ich diese Art der Stillleben vorher überhaupt nicht kannte. Ich verband die stillen Lebensbilder bis jetzt ausschließlich mit diesen dunklen prunkigen tuchverhangenen Tischen, auf denen dekorativ Weintrauben, liegende leere Weingläser und Totenschädel verteilt herumliegen, oder auch diverse Obstschalen... [erstere werden Vanitas-Stillleben genannt, wie ich jetzt weiß]. Das hier, das ist etwas ganz anderes, kubistisch-modernes, findet ihr nicht?

Fra Juan Sánchez Cotán 001
[Öl auf Leinwand, 69x 84,5 cm]

Zusätzlich finde ich die Kombination der dargestellten Objekte total reizvoll, im wahrsten Sinne des Wortes - es reizt mich nämlich, länger hinzuschauen, warum gerade diese vier und wieso in dieser Reihenfolge; ich meine, Quitte [Obst!], Kohl [Gemüse!], angeschnittene [!] Melone [Beere = Obst?! Gemüse?!], Gurke [Gemüse!]... was soll das werden? Ein Gericht ja wohl kaum.

Quitten können vom Spätsommer bis in den November geerntet werden. Kohl geht ja immer, ich hab gerade auf Wiki herausgefunden, dass quasi alles Kohl ist - die dortige Übersicht der Kohlarten lohnt sich wirklich mal zu überfliegen! - Über die exakte Melonenart hab ich mir auch eigene Gedanken gemacht, komme aber auf keinen grünen Zweig: Es ist eine Netz- und keine Wassermelone, aber mit schneller Wiki-Recherche finde ich keine, die definitiv in Spanien um 1600 gemalt sein könnte... Evtl. Cantaloupe? Gurke und Melone sind beides Kürbisgewächse, wer hätte das gedacht.

Bei der Suche nach Bildbesprechungen bin ich in Foren gelandet, in denen Nutzer [wie ich] keine Ahnung haben, aber das Bild gleich im ersten Anlauf "zum Lachen" finden [hier die gesamte, echt amüsante Unterhaltung über das Bild], was ich nun gar nicht nachvollziehen kann. Ihr?! Immerhin ist denen auch die hängende Kurvenform der abgebildeten Gegenstände, nennen wir sie Früchte, aufgefallen, die in ihrer Perfektheit bestimmt auch etwas zu sagen hat. Ich vermute, dass der Maler, um das ganze abwechslungsreicher zu machen, die Gegenstände auch immer weiter nach vorn gezogen hat, so dass Gurke und Melonenstück beinahe schon balancieren!

Die Präsentation in einer solchen Steinnische ist Cotáns Erfindung und wurde dann später auch von anderen kopiert. Witzig: Er hat die Nischen laut Wikipedia auf Vorrat gemalt - ein praktischer Mensch also, sehr sympathisch. Praktisch ja auch das Aufhängen an den Fäden, eine damals übliche Praxis, die die Haltbarkeit der Speisen verlängert hat.

Noch kurz die Pflicht, aber nur mit Links, sorry-not-sorry:
Grundsätzliches zum Stillleben ab 1600 auf Wiki, etwas unnerdiger abseits der Wiki vorgestellt hier, und dann gibt es noch den Begriff Bodegón, den ich euch auch nicht vorenthalten kann: "Während im Spanischen die Bodegones mit Stillleben im Allgemeinen, also solchen aus allen Epochen und Kunstlandschaften gleichgesetzt werden, fokussiert sich im internationalen kunsthistorischen Sprachgebrauch der Begriff auf die spezifische Ausprägung dieses Genres in der spanischen Malerei seit 1600."

Es handelt sich bei unserer Nische also in jedem Fall um ein Bodegón, vermutlich ohne religiösen symbolischen Bezug, weil Cotán erst kurz danach zum Mönch wurde. Tataa.

PS: Ausgestellt ist es in San Diego/CA, falls jemand es in echt bewundern möchte? [Ich war im Februar in San Diego, aber natürlich leider nicht in dem Museum...]

11. Mai 2020

Krøyer & Krøyer und Skagen - #kunstderwoche

Weil Novemberregen mehr Einblick in Kunst haben will, "dürfen" wir für sie über unsere Lieblingsbilder oder MalerInnen schreiben? Na gut. Witzig daran ist, dass ich auch keine Ahnung hab, aber eben nicht einfach mal die Fresse halte, sondern direkt sowas twittere:


... und ZACK, war ich gefangen in meiner Zusage.

Gut, jetzt habt ihr das Bild also schonmal gesehen, das mich zufällig schon ein paar Tage VOR Novemberregen's Aufruf in Aufruhr versetzte. Dieses Licht auf den Blättern, Nacken und Scheiteln! Unglaublich, was da für eine Stimmung rüberkommt. Und dann heißt dieses Bild aus dem Jahr 1888 auch noch "Hip, Hip, Hurra!" - besser geht's echt nicht.

Als ich dann den Wiki-Artikel von dem zugehörigen dänischen Maler [Peder Severin Krøyer] las und darin die Skagen-Maler [und Skagen!1] entdeckte, war ich eigentlich schon satt und zufrieden. Vorher kannte ich "Skagen" zwar auch, aber nur als Uhrenhersteller von sehr, sehr flachen Uhren [Gruß an Papa!], nicht als wunderschönen dänischen Ort mit unter 10.000 Einwohnern.

Schon auf wenigen Fotos und Bildern sieht man, dass in Skagen eine besondere Stimmung herrscht; laut Wiki liegt das am Licht [es ist die Nordspitze Dänemarks, rundherum nur Meer, hohe Nordlage], was einer der Gründe war, warum sich die ganzen Maler jährlich dort zum Malen trafen. Quasi ein Mal-Retreat, oder auch eine Art Sommer-Workshop; ich musste beim Stöbern tatsächlich kurz "Klassenfahrt für Erwachsene" denken... aber was weiß ich schon.

Prinzipiell gefallen mir alle Bilder von P. S. Krøyer, er hat viel Fischerei- und Meeres-Szenerie gemalt, immer mit wahnsinnig detailliert-realistischen Menschen; bloß Feuer, Feuer kann er nich', finde ich.

Ich weiß nicht mehr genau, wie, aber dann stieß' ich auf eine Art Doppelportrait von ihm und seiner Frau Marie - er malte sie und sie ihn [Bild auch via Wiki, wie quasi alles hier]:

 
Wun-der-schön, ist es nicht?!

Die Darstellung des jeweils anderen in der eigenen Zeich[n]en-Sprache, beide lassen einander ausreden, die Schönheit im jeweiligen Auge des Betrachters kommt voll zur Geltung [nein, beide waren in der Realität jeweils nicht gar so symmetrisch] ...

Sie malte also offensichtlich auch, eher impressionalistisch, aber nicht weniger schön. Trotz seiner Bekanntheit und ihrer Nähe zur Maler-Szene gelang ihr nie der Durchbruch [sie hatte halt auch zwei Kinder undsoweiterundsofort etc. zu versorgen, und dann noch ihn, s.u.], aber immerhin gibt es 20 registrierte Gemälde von ihr, darunter so etwas phantastisches:

Interioer med syende pige

Leider ist er ca. 1900 psychisch schwer erkrankt, die Ehe wurde zerrüttet, sie lernte auf Sizilien [in Taormina <3, ich habe eine Beziehung zum Land und dem Ort] einen anderen kennen. Tatsächlich führten sie dann eine Art Dreiecksbeziehung, bevor Marie den anderen heiratete, aber da wusste sie schon, dass der sie betrog, und auch das ging in die Brüche, zuletzt starben beide Krøyers einsam. Er aufgrund seiner Erkrankung, sie, weil sich ihre Töchter abwandten und ihre neue Ehe auch nicht funktionierte, s.o.

Bei den Skagen-Malern gab es übrigens nur eine weitere Frau neben Marie, Anna Ancher, die wahnsinnig viel gemalt hat, und auch wahnsinnig schön, und modern, wobei dieser Eindruck vermutlich nur wegen meiner schwarzweißigen Vorstellung vom 19. Jahrhundert entsteht... :

Little Girl with Flower by Anna Ancher, pastel

Ja, dieses Bild ist von 1885 [und nicht aus 1980!].

Noch ein Fun Fact: Wir waren kürzlich zum ersten Mal vom Vermieter zum socially distanced Outdoortreffen bei ihm in seine "Landwohnung" eingeladen und auf was für ein Bild laufen wir quer durch den kunstvoll verwilderten, wunderschönen Garten zu? Hip, Hip, Hurrah!, als großer Druck auf seiner riesigen überdachten Außenveranda hängend. Wunderschön.

PS: Es sind nach mir viele Wochenslots frei, die doch bitte-gern mit cooler #kunstderwoche belegt werden möchten - bewerbt euch!11

PPS: Ich habe hier so viele Aspekte nicht beleuchtet, die Maltechniken, die Entwicklung von Skagen als Künstler- und Tourismus-Ort, die Darstellungen der Frauen in den von Männern gemalten Gemälden versus der in ihren eigenen und das wiederum in Relation zum Feminismus, ... aber man kann ja nicht aus allem ein neverending #masterdesaster machen, u know? -.-

1. September 2019

Verhandlungssache.

Ich bin etwa 15 und gefühlt King Louie an meiner Schule, kenne alle und jeden und helfe regelmäßig 2x die Woche in der großen Pause im neuen Schulkiosk aus. Am Kiosk Sachen verkaufen = keine eigene Pause haben. Ich esse also in der Stunde danach einfach kurz zu Beginn mein Pausenbrot und mache während der Kaupausen [wie immer] aktiv am Unterricht mit. In Deutsch gab es vor kurzem die mündlichen Noten des Viertelhalbjahres, ich hatte eine 2+ bekommen - insofern war das für mich tutti.

Eines Tages sieht mich aber die Deutschlehrerin an, wie ich so still am Kauen bin ... und rastet völlig aus: "Das ist eine FRECHheit, hier im Unterricht zu essen, dazu gibt es PAUsen! ..." etc. pp. Ich dachte echt, mich tritt ein Pferd! "Aber Frau H., ich mache das doch immer donnerstags, das stört doch keinen, außerdem war meine mündliche Note neulich doch völli" NEIN, bei Frau H. im Kopf war kein Durchkommen, sie schimpfte munter weiter. Ich hatte keine Lust dazu: "Können wir das nicht vielleicht zu zweit in der Pause klären? Ich höre jetzt auf, zu essen." Ja, immerhin dazu war sie bereit.

Nach dem Gong ging ich also zu ihr und erzählte ihr von meiner großen Pause im Schulkiosk, die für das Schulbrot nicht nutzbar war und von der daraus folgenden Notwendigkeit, in den ersten Minuten der Stunden danach mein verdammtes Klappbrot zu essen. Naja, ohne "verdammt". Coolerweise sah sie das ein [!] und eröffnete die nächste Deutschstunde mit einer Ansage [!] , in der sie mir als Ausnahme das Essen meines Brotes in den ersten 10 Minuten erlaubte [!].

Ich zehre heute noch von dem Triumph und freu mich häufig darüber, dass ich mit mehr Alter tatsächlich noch immer besser im ruhigen die Leute aus ihrer Aggrozone-holen werde.

Ich muss mich mal wieder beschweren.

[September 2019: Das ist Jahre her, ich hatte offensichtlich das Veröffentlichen nach dem erprobten über-Nacht-reifen-lassen vergessen]

[Wer Zahnarztphobie hat, liest das vielleicht besser nicht, denn es ist ein recht detaillierter Bericht.]

Weil ich noch was zwischen den Zähnen hatte, prökelte ich mir mit dem Zeigefinger hinten oben im Mund rum. Plötzlich ertastete ich einen Hubbel außen am Oberkiefer: schmerzfrei, aber doch deutlich da. Nach wenigen Sekunden meldete mir mein Hirn, dass das direkt über dem bereits mehrfach wurzelbehandelten und resektionierten Zahn war! Alarmstufe rot, super, danke, ich weiß Bescheid. Man hatte mir nämlich damals gesagt, nach der REsektion käme nur noch die EXtraktion, das ex steht dann leider für "raus". Hrmpf.

Das war gestern Abend [Freitag], also bin ich erst heute morgen zum Notzahnarzt gegangen; die hat mich allerdings absolut nicht überzeugt. Schlimmer, ich hab danach erstmal geflennt und während der Behandlung [zum ersten Mal in meinem Leben] nachempfinden können, wie es Angst-Patienten beim Zahnarzt wahrscheinlich geht: handlungs- und optionsentbunden. Dazu noch schlecht versorgt. Und das ging so:

Ich wartete ewig. Das fand ich nicht schlimm, schließlich war die Ärztin nur mit einer Helferin am Gange und das Wartezimmer proppevoll. Anfangs füllte ich die Anamnese aus [welche Krankheiten, schwanger ja/nein, Allergien etc.] und hatte ansonsten Spaß mit dem aktuellen Spiegel und meinem Handy [wiki und Twitter]. Aber während ich so mit den anderen wartete, fiel mir auf, dass tatsächlich die Türen zu beiden Behandlungszimmern weit offen standen und wir alle gezwungen waren, jedes Wort, jedes Bohren, einfach alles aus den jeweils stattfindenden Untersuchungen und Behandlungen mitzuhören [WTF]. Ich kann das nicht ab, es gibt ja auch so etwas wie die Schweigepflicht! Zum einen möchte ich nicht, dass das gesamte Wartezimmer meine Zahnprobleme kennt, zum anderen möchte ich nicht die Probleme anderer kennen müssen - und noch dazu ist es für Leute mit Angst/Panik ja eventuell noch zusätzlich schwieriger als eh schon, wenn bereits vor der eigenen Behandlung der Bohrer bei anderen sirrt.

Nachdem ich zum blauen Zimmer geführt und auf dem Stuhl positioniert wurde, wartete ich noch ein Weilchen, das war aber gänzlich unspektakulär und somit nicht weiter beschreibenswert.

Die Ärztin kam herein und trug Gummihandschuhe und Mundschutz [lobenswert, aber waren die Handschuhe frisch? Who knows...], die Assistentin war ohne unterwegs. Sie schauten beide in meinen Mund und die Ärztin stocherte ein bisschen am Oberkiefer herum. "Oh, ja, das müssen wir röntgen. Sind Sie schwanger?" Offensichtlich hatten beide meine Anamnese nicht gelesen [WTF], in der auch so wichtige Dinge wie meine Penicillin-Unverträglichkeit und die Frage nach der Schwangerschaft abgehandelt waren. Na gut. Rein ins Röntgen, die Assistentin fragte MICH, ob es gepiepst = der Apparat geröntgt hat [WTF] und wir gingen nach meinem "Ja." wieder in das blaue Zimmer, ich auf den blauen Stuhl. Alle außer mir verschwanden.

Nach mittellanger Wartezeit kam die Ärztin allein rein und fing einfach mal an: "Das schneide ich auf." Sie holte eine Spritze, spritzte die Luft aus der Nadel und mir tropfte dabei ein Schwall Narkotikum auf den rechten Handrücken. Ich wischte mir die Hand an der Hose ab, da tropfte es gleich nochmal, diesmal auf meinen Bauch/Pullover. Sie hat das nicht einmal bemerkt [WTF]. Ich hatte den Mund [subjektiv] voll mit Narkosemittel. "Kann ich spülen?" "Oh, ja klar, ich war gerade abgelenkt... " [WTF] Und wieder raus war'se.

Und wieder rein [natürlich bei offener Zimmertür]. Erneut fing sie einfach an, ohne mir irgendwas zu sagen - was sie tut, mit welchen Sachen und wie und warum und überhaupt. Ich lag da mit offenem Mund, wurde vom Licht krass geblendet und beschloss, dass das nun nicht auch noch sein muss: "Können Chie die Lamke ein gisschen tiefe schkellen? Ich kang chonst die Augen ni auflassen, gas glendet cho." Sie lachte belustigt: "Ach, einige wollen gar nicht gucken...", aber immerhin stellte sie die f*cking Lampe runter. Sie hat dann meinen Oberkiefer nicht mit so'ner Kompressenrolle [kennt'er?] trockengelegt, nicht mit dem Luftblasdings Speichel weggetrocknet und auch nicht alles immer offengelegt gelassen, sondern die Lippe einfach zurückgeflappt und zwischendurch was anderes gemacht. Nobody knows.

Die Arzthelferin kam rein und hielt mir endlich den Sauger - das war bitter nötig; anscheinend schnitt die Frau Dr. schon länger, der Geschmack war nämlich 1A Blut. Ich durfte dann zusätzlich noch schön anderer Leute Atem riechen, denn wie gesagt: kein Mundschutz bei der Arzthelferin und Mundatmung bei mir gerade nicht en vogue. Das war echt unsuper. Die beiden taten dann gemeinschaftlich mir unbekannte Dinge an meinem Kiefer und die Ärztin ging quasi schon raus mit den Worten: "Ich habe Ihnen einen Streifen drübergemacht. Sie kommen morgen wieder, dann wechseln wir." Ich war völlig verwirrt. Streifen? Sowas wie ein Pflaster? Und wie hält das dann, außen an meinem Kiefer? Und... äh: "Muss der Zahn dann raus, jetzt, wo er sich wieder entzündet hat?" "Neinnein, wenn das nicht immer wieder losgeht, kann der drin bleiben." ACH. WAS. [WTF]

Ich merkte, dass ich den ganzen Ekel-Seiber trotz Absaugens noch im Mund hatte und fragte: "Darf ich das ausspucken?" "Neinnein, nicht spülen, das ist nicht gut für die Wunde!" "Äh, ja - deswegen ja auch spucken - ich würde gern einmal ausSPUCKEN!" "Achso, klar, das geht... " Eine Serviette oder sowas bekam ich aber nicht. [Ich spare mir mal das WTF...]

Ich fragte die Helferin nach dem Vorgehen - letzten Endes stellte sich heraus, dass die Ärztin einen Mullstreifen in der geschnittenen Öffnung platziert hatte, damit das offen bleibt und eventuell noch Eiter abfließen kann. Diesen Streifen sollte ich bitte morgen [Sonntag] wechseln kommen, am Montag dann damit zu meinem Zahnarzt gehen. Nichts! lieber! als das!1elf

Extended Reading

Ich war zweimal für eine Woche in dem gleichen Center Parc. Nicht, wie man vermuten könnte, als Kind, sondern während des Studiums [ich war ~22], mit meiner Freundin und ihrer ausgeweiteten Familie bestehend aus ihren Eltern [Ende 4o], ihrer Schwester [14], dem Bruder der Mutter und dessen Frau [ebf. Ende 4o] sowie deren Sohn [19]. UND ES WAR GROSSARTIG!

Das ist ja nun sage und schreibe schon mehr als 1o Jahre her und ich weiß gar nicht mehr genau, wann wir was und wie in welcher Abfolge genau gemacht haben, aber an die entspannte Stimmung erinnere ich mich noch sehr gut. Wir haben uns trotz [oder wegen?] des unterschiedlichen Alters alle super verstanden und sind bzw. waren, so höre und staune, ALLESAMT Leseratten. Wo gibt's denn sowas? :D

Der Urlaub bestand denn auch in schöner gelebter Ritualität aus dem gemeinsamen Frühstück, dann Gang nach Canossa in die Glaskuppel [wer Center Parcs nicht kennt, kann sich hier [centerparcs.de] kurz einschwingen], Belagerung des schönsten, für unsere Gruppengröße geeigneten Liegenplatzes unter Palmen, Verteilen des Lesestoffs und einer ersten Runde Plantschen. Dann kollektives Lesen. Was war das scheeeee :)!!

Bei akuter Wasserlust trennte sich dann und wann eine oder einer von der Gruppe, mal allein, mal gesammelt und gehäuft - und wie das ja quasi DAS Merkmal einer gut funktionierenden Gruppe ist, war es [zumindest mir] immer total egal, wer dann mitkam, wenn ich fragte. Hat ja alles mit jeder Spaß gemacht! Hachja. Und wenn ich zurückkam, haben alle immer noch... gelesen. Ich glaube, dieser Punkt teilt meine Leserschaft jetzt in "Boah, laaaaaaaaangweilich, Alde!" und in "Cool! Hört sich geil an." - oder? Für mich war's der Himmel.

Abgesehen davon haben wir eigentlich nichts unternommen. Ich war vielleicht nochmal unter der Höhensonne [jaja, ich war jung und brauchte die Bräune -.-] und wir haben so'nen komischen Animations-Abend mitgemacht, Flamenco und so, Center Parcs halt.

[Bisher unveröffentlichtes und unbeendetes Fragment]