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17. April 2021

Female Choice von Meike Stoverock

Ich habe gerade das Buch von Meike Stoverock [fraumeike.de] beendet, auf das ich mich schon seit Monaten gefreut habe! Aufgrund vom #masterdesaster [twitter.de] erst jetzt anstatt direkt nach dem Erscheinen im Februar... Ich wurde nicht enttäuscht und bin der Meinung, dass jede*r es lesen [klett-cotta.de] oder den sechsteiligen Podcast hören [open.spotify.com] sollte. Das ist bei mir gar nicht mal so oft der Fall - und weil ich bemerkt habe, dass ich besser verarbeite, wenn ich schriftlich formuliere, mache ich das jetzt einfach mal hier. Auch, weil Meike neulich festgestellt hat, dass Frauen ihr Buch zwar häufig gut finden, das aber dann nicht öffentlich tun...

Das Buch ist ein feministisches und radikales Buch über den jahrtausendealten Einfluss der menschlichen Sexualität auf unser heutiges zivilisiertes Leben. Ich stimme dem nicht Satz für Satz oder Zeile für Zeile immer und 100% zu. Ich kann aber dem Argumentationsbogen von der Beschreibung des Status quo [I] hin zu den biologischen Grundlagen unserer Sexualität [II] und zu einer kulturgeschichtlichen Rückblende in die Anfänge unserer Zivilisation [III] sehr gut folgen. Die Sesshaftwerdung ist also der [ein] Schlüssel für die Grundsteinlegung noch heute gültiger Strukturen und androzentrischer Sozialkonstrukte - wie z.B. der Ehe?! Irre. Aber logisch nach der Darstellung im Buch.

Durch das in den vorangegangenen Kapiteln erarbeitete Vokabular und den historisch sozio-kulturellen Kontext wird danach der Status quo mit seinen Risiken genauer eingeordnet [IV]. Den Abschluss bilden Lösungsvorschläge zur Auflösung des heutigen Geschlechterdilemmas [V], die in Summe und in ihrer Unbedingtheit zwar für mich irgendwie unmöglich klingen, das aber vermutlich zum einen gar nicht sind... und zum anderen von der Autorin durchaus auf lange Sicht, also eher in Hunderter-Jahresskalen angedacht sind.

Female Choice beinhaltet dabei eine gelungene Kombination der drei grundlegenden Perspektiven zur Erklärung von Verhalten und Zuständen, nämlich die der biologisch-naturwissenschaftlichen, der psychologischen und auch die der sozio-kulturellen. Dieses Bio-Psycho-Sozial-Modell wurde von einem Mediziner für die Erklärung der Auswirkungen der Psyche auf unseren Körper entwickelt, es ist aber tatsächlich ein universales Werkzeug zum Verstehen von Zusammenhängen, die Menschen betreffen. Es gibt ja z. B. in der Verhaltensbiologie schon lange die Debatte bezüglich Veranlagungen und Umwelt [engl. nature vs. nurture] - also, was prägt unser aller Handeln mehr: Gene oder Umwelteinflüsse? Und, wichtiger, wie genau macht sich das bemerkbar, und gibt es Wechselwirkungen etc. pp?

Das kann aber aufgrund der Komplexität der beteiligten Einflussfaktoren in der Regel gar nicht eindeutig entschieden werden. Wenn nun nacheinander die drei genannten Blickrichtungen gewählt und dabei jeweils das Thema untersucht wird, erhellen sich schnell gleichermaßen wichtige Details und neue Zusammenhänge. Und immer, wenn man aus nur einer oder zwei der drei Richtungen auf die Sache schaut, geht ein Teil der möglichen Erkenntnis verloren. Diese Integration ist der Biologin Meike Stoverock für mich geglückt - und damit Female Choice ein sehr empfehlenswertes Buch!


1. September 2019

Extended Reading

Ich war zweimal für eine Woche in dem gleichen Center Parc. Nicht, wie man vermuten könnte, als Kind, sondern während des Studiums [ich war ~22], mit meiner Freundin und ihrer ausgeweiteten Familie bestehend aus ihren Eltern [Ende 4o], ihrer Schwester [14], dem Bruder der Mutter und dessen Frau [ebf. Ende 4o] sowie deren Sohn [19]. UND ES WAR GROSSARTIG!

Das ist ja nun sage und schreibe schon mehr als 1o Jahre her und ich weiß gar nicht mehr genau, wann wir was und wie in welcher Abfolge genau gemacht haben, aber an die entspannte Stimmung erinnere ich mich noch sehr gut. Wir haben uns trotz [oder wegen?] des unterschiedlichen Alters alle super verstanden und sind bzw. waren, so höre und staune, ALLESAMT Leseratten. Wo gibt's denn sowas? :D

Der Urlaub bestand denn auch in schöner gelebter Ritualität aus dem gemeinsamen Frühstück, dann Gang nach Canossa in die Glaskuppel [wer Center Parcs nicht kennt, kann sich hier [centerparcs.de] kurz einschwingen], Belagerung des schönsten, für unsere Gruppengröße geeigneten Liegenplatzes unter Palmen, Verteilen des Lesestoffs und einer ersten Runde Plantschen. Dann kollektives Lesen. Was war das scheeeee :)!!

Bei akuter Wasserlust trennte sich dann und wann eine oder einer von der Gruppe, mal allein, mal gesammelt und gehäuft - und wie das ja quasi DAS Merkmal einer gut funktionierenden Gruppe ist, war es [zumindest mir] immer total egal, wer dann mitkam, wenn ich fragte. Hat ja alles mit jeder Spaß gemacht! Hachja. Und wenn ich zurückkam, haben alle immer noch... gelesen. Ich glaube, dieser Punkt teilt meine Leserschaft jetzt in "Boah, laaaaaaaaangweilich, Alde!" und in "Cool! Hört sich geil an." - oder? Für mich war's der Himmel.

Abgesehen davon haben wir eigentlich nichts unternommen. Ich war vielleicht nochmal unter der Höhensonne [jaja, ich war jung und brauchte die Bräune -.-] und wir haben so'nen komischen Animations-Abend mitgemacht, Flamenco und so, Center Parcs halt.

[Bisher unveröffentlichtes und unbeendetes Fragment]

24. März 2015

Jetzt muss ich wohl doch mal.

Also, Dampf ablassen. -

In der Stadtteilbibliothek hab ich neulich ein Buch entdeckt, es heißt DARWIN - Das Abenteuer des Lebens und ist von Jürgen Neffe. Der ist Biologe und arbeitet seit mehr als 20 Jahren journalistisch, in der letzten Zeit vermehrt als Autor. Unter anderem hat er 2006 eine gefeierte Biographie über Albert Einstein geschrieben. In Abenteuer des Lebens schreibt Neffe nun von seiner eigenen Weltreise, die er - auf den Spuren von Darwins Route im 19. Jahrhundert - 2007/2008 unternommen hat.

Im Buch werden immer wieder Originalzitate aus Darwins Reisebericht eingestreut, um die Parallelität der zeitlich weit auseinanderliegenden Ereignisse auf beiden Reisen darzustellen. Und so lese ich so vor mich hin, komme nicht recht rein, weiß noch nicht, wie ich das Buch finden soll, und dann lese ich noch im Prolog auf Seite 16: "Oben auf der Brücke, drei Treppen über meiner Kabine, stehen die Offiziere zusammen und schauen schweigend in die anbrechende Nacht. Es herrscht eine Art Stille, wie sie nur die Männerwelt kennt." Bums.

Moment mal. Was?! Das steht da echt? Achso, ist das vielleicht ein Rückblick aus Darwins Tagebuch? Nö, ist nicht kursiv gesetzt.

...

Mit einem einzigen Satz, der dazu noch gar nicht zwingend nötig gewesen wäre, einfach mal alle Leserinnen vom Dabeisein und Mitempfinden ausgeschlossen. Die kennen so eine Art Stille nicht, haha, wie auch, können sie ja gar nicht - schließlich sind sie aus biologischen Gründen nicht Teil der "Männerwelt" [whateverthatis]. Ernsthaft?!

Ich hab auf dieses Buch und Herrn Neffe keine Lust mehr. Und auch ganz generell auf solcherlei sprachliche Diskriminierung, sei sie noch so subtil.

PS: Noch ein Vorteil am Erwachsenseinwerden: Die meisten der "Das macht man doch nicht!"s verlieren ihre Macht.


7. Oktober 2013

Ein Mittag.

Mittlerweile denke ich, dass ich ein bisschen seltsam bin. Oder werde. Man liest das ja immer so in Büchern, dass Protagonisten sich von der Welt dissoziiert fühlen und Situationen dann zynisch-sarkastisch aus sich selbst heraus [überaus unterhaltsam für die Leserin] in sich selbst kommentieren. Nun, das hat sich bei mir auch so eingeschlichen in letzter Zeit. Bloß, dass ich keine Protagonistin im eigentlichen Sinne bin.

Ein Beispiel, damit ich's mir später auch glaube [und weswegen das Thema just so übermächtig in meinem Kopf aufgeploppt ist]:

Ich habe mit großem Vergnügen und Bedauern In Plüschgewittern von Wolfgang Herrndorf zu Ende gelesen. Die Sprache von Herrndorf ist sowieso genau meins, und in diesem Buch ist der Held auch noch so furchtbar sonderlich authentisch… Echt super. Hab's gestern angefangen und heute beendet, quasi in einem Rutsch.

Weil ich nunmal gern meine Ruhe habe, wenn ich lese, bin ich auf der Arbeit zum Mittagessen in die 3. Café-Bar ‚oben links’ gegangen. [Derer gibt es eben drei und wir sind ca. 3oo Leute im Institut. Heimsuchungsfrequenz kann sich also jede lebhaft ausmalen.] Hab’ den Zwiebelkuchen vom gestrigen Event in die Mikrowelle getan und vorher schon mein Buch und den Pott mit dem Kaffee an den bevorzugten Platz am Tisch gelegt. Das mit der Mikrowelle wollte nicht so ganz, ich hatte schon fast wie ein richtiger Panzerknacker alle Reihenfolgenkombinationen von Wattzahltaste, Uhrdrehrad und Startknopf durchprobiert - zum Glück rettete mich eine, die vorbeikam und sagte Es geht doch eiigentlich ganz einfach? … - und so ging es denn auch. Tse.

Gut, ich setzte mich also ziemlich genau zwei Minuten später mit heißem, aber matschigem Zwiebelkuchen [Mikrowelle!] an meinen Platz am Tisch und fing an, zu essen und zu lesen. Kollegen kamen dann und wann in Grüppchen rein, holten Kaffee, schauten herüber, sagten nichts, gingen in oder zu Gruppen wieder raus. Ein anderer setzte sich neben mich und aß seinen Mikrowellenfr äh, sein Essen, guckte nicht, sprach nicht mit mir, kein Mahlzeit!, nix - aber als er nach ~2o Minuten fertig war und ging, sagte er Tschüß. - witzig, oder?!

Auch aus meiner Abteilung kam eine mit anderen vorbei. Normalerweise isst ‚man’ bei uns entweder in der Kantine oder wie im Jugendzeltlager am runden Tisch mit vorigem Supermarkt-Einkauf oder aber zumindest als Halb-Spalter mit anderen Leuten aus anderen Abteilungen irgendwo anders im Institut. Die Verhaltensweise Sozialnerd [essen vor dem Monitor bei geschlossener Bürotür] wird selbstverständlich auch stillschweigend toleriert. Aber der Blick, der mich heute traf - ich bildete mir die Bände ein, die im Stillen gesprochen wurden.

Und dann musste ich auch noch dann und wann beim Lesen schmunzeln oder gar lachen, weil es ZU gut geschrieben war… Und fühlte mich innerhalb dieser ganzen Nerds so furchtbar noch-ganz-anders-nerdig und überhaupt. - Ob das jetzt ausreichend mein inneres seltsam-Gefühl beschreibt?

Hm.

PS: Gibt es eigentlich gute Rezepte mit viel Baileys? Ich habe da was loszuwerden.