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4. März 2017

default: depends.

Ich bin jetzt 35 und habe immer gedacht, ich persönlich wäre "nicht so" und würde ein wie-auch-immer-geartetes Gendern in keiner Form brauchen. Dann las ich [schon vor Monaten] englische Sätze und war nach "doctor" und nachfolgendem "she" überrascht. Das wiederum überraschte mich.

Seitdem schreibe ich, wenn ich schreibe, mit voller Absicht quasi-zufällig Arzt oder Ärztin, wenn ich Beispiele brauche und mich nicht auf einen konkreten Menschen mit eindeutigem Geschlecht beziehe. Das behalte ich mindestens so lange bei, bis mir selbst so etwas wie oben nicht mehr passiert.

PS: Hab ich das schon mal gebloggt?!

17. Juni 2016

Frauen heute in Deutschland

Ich besuchte heute als Vertreterin eines Firmensponsors eine Preisverleihung im Rahmen eines Dauer-Förderprojektes für Grundschulkinder mit dem sinngemäßem Inhalt "Kinder für Technik interessieren". Das folgende sind nur zwei kleine Szenen vom heutigen Vormittag, nicht repräsentativ [oder gerade deshalb repräsentativ], weil ich sonst überhaupt nichts mit Dritt- oder Viertklässlern zu tun habe.

Ein anderer, männlicher Firmenvertreter, ca. Mitte Fünfzig, Typ polternder Norddeutsche, erzählt, ohne dass es interessiert, mir und meiner Kollegin von seinem Unternehmen, das besonders familienfreundlich sei.

Mitte-Fünfzig-Typ: "Die Frauen können sogar ihre KINDER mit ins Büro bringen!"
Ich: "Auch die Männer, oder nicht?", mit einem Zwinkern.
MFT: "Ja, klar, die auch, hehe! Danke, dass Sie sofort auch die Gleichberechtigung der Männer im Blick haben!" *schulterklopf
Ich: "Nee, mir ging es dabei um die Frauen, aber das verstehen Sie offensichtlich nicht."

Leider, wirklich leider, habe ich das letzte nur gedacht. Ich bedauere das sehr - Schande über mich und Asche auf mein Haupt. - Aber mal im Ernst, wie kann man DAS denn SCHON WIEDER ausschließlich auf sich selbst beziehen?!

Später erzählte mir dann eine Lehrerin, dass eins ihrer Teams aus 4 Viertklässlerinnen besteht. Eine von denen hatte während der Bearbeitung der aktuellen Aufgabe Sorge:
"Hoffentlich gewinnen wir auch was, wir sind ja nur Mädchen..."
Sie haben übrigens den 2. Platz von sieben gemacht und bei weitem am besten präsentiert.

Ach-ach-ach.

24. März 2015

Jetzt muss ich wohl doch mal.

Also, Dampf ablassen. -

In der Stadtteilbibliothek hab ich neulich ein Buch entdeckt, es heißt DARWIN - Das Abenteuer des Lebens und ist von Jürgen Neffe. Der ist Biologe und arbeitet seit mehr als 20 Jahren journalistisch, in der letzten Zeit vermehrt als Autor. Unter anderem hat er 2006 eine gefeierte Biographie über Albert Einstein geschrieben. In Abenteuer des Lebens schreibt Neffe nun von seiner eigenen Weltreise, die er - auf den Spuren von Darwins Route im 19. Jahrhundert - 2007/2008 unternommen hat.

Im Buch werden immer wieder Originalzitate aus Darwins Reisebericht eingestreut, um die Parallelität der zeitlich weit auseinanderliegenden Ereignisse auf beiden Reisen darzustellen. Und so lese ich so vor mich hin, komme nicht recht rein, weiß noch nicht, wie ich das Buch finden soll, und dann lese ich noch im Prolog auf Seite 16: "Oben auf der Brücke, drei Treppen über meiner Kabine, stehen die Offiziere zusammen und schauen schweigend in die anbrechende Nacht. Es herrscht eine Art Stille, wie sie nur die Männerwelt kennt." Bums.

Moment mal. Was?! Das steht da echt? Achso, ist das vielleicht ein Rückblick aus Darwins Tagebuch? Nö, ist nicht kursiv gesetzt.

...

Mit einem einzigen Satz, der dazu noch gar nicht zwingend nötig gewesen wäre, einfach mal alle Leserinnen vom Dabeisein und Mitempfinden ausgeschlossen. Die kennen so eine Art Stille nicht, haha, wie auch, können sie ja gar nicht - schließlich sind sie aus biologischen Gründen nicht Teil der "Männerwelt" [whateverthatis]. Ernsthaft?!

Ich hab auf dieses Buch und Herrn Neffe keine Lust mehr. Und auch ganz generell auf solcherlei sprachliche Diskriminierung, sei sie noch so subtil.

PS: Noch ein Vorteil am Erwachsenseinwerden: Die meisten der "Das macht man doch nicht!"s verlieren ihre Macht.