17. Juni 2016

Frauen heute in Deutschland

Ich besuchte heute als Vertreterin eines Firmensponsors eine Preisverleihung im Rahmen eines Dauer-Förderprojektes für Grundschulkinder mit dem sinngemäßem Inhalt "Kinder für Technik interessieren". Das folgende sind nur zwei kleine Szenen vom heutigen Vormittag, nicht repräsentativ [oder gerade deshalb repräsentativ], weil ich sonst überhaupt nichts mit Dritt- oder Viertklässlern zu tun habe.

Ein anderer, männlicher Firmenvertreter, ca. Mitte Fünfzig, Typ polternder Norddeutsche, erzählt, ohne dass es interessiert, mir und meiner Kollegin von seinem Unternehmen, das besonders familienfreundlich sei.

Mitte-Fünfzig-Typ: "Die Frauen können sogar ihre KINDER mit ins Büro bringen!"
Ich: "Auch die Männer, oder nicht?", mit einem Zwinkern.
MFT: "Ja, klar, die auch, hehe! Danke, dass Sie sofort auch die Gleichberechtigung der Männer im Blick haben!" *schulterklopf
Ich: "Nee, mir ging es dabei um die Frauen, aber das verstehen Sie offensichtlich nicht."

Leider, wirklich leider, habe ich das letzte nur gedacht. Ich bedauere das sehr - Schande über mich und Asche auf mein Haupt. - Aber mal im Ernst, wie kann man DAS denn SCHON WIEDER ausschließlich auf sich selbst beziehen?!

Später erzählte mir dann eine Lehrerin, dass eins ihrer Teams aus 4 Viertklässlerinnen besteht. Eine von denen hatte während der Bearbeitung der aktuellen Aufgabe Sorge:
"Hoffentlich gewinnen wir auch was, wir sind ja nur Mädchen..."
Sie haben übrigens den 2. Platz von sieben gemacht und bei weitem am besten präsentiert.

Ach-ach-ach.

21. Mai 2016

Inge Jens: Langsames Entschwinden

Es geht um Demenz und was sie in den Bezugspersonen von Betroffenen auslösen kann.

Inge Jens' Mann Walter Jens, mit dem sie zusammen mehrere Bestseller um die Geschichte[n] der Manns [wiki] veröffentlicht hat, litt lange Jahre unter Demenz. Er wurde von seiner Frau [und anderen] bis zum Ende zu Hause gepflegt und versorgt. Was das bedeutet, hat Inge Jens in zahlreichen Briefen an Freunde und Bekannte zunächst eher beiläufig und auf Nachfragen hin in Worte gefasst, aber jetzt, in diesem Band gesammelt, entfalten die Sätze und Gedanken ihre ganze Wucht.

Selten hab ich so konzentrierte und wundervoll formulierte Ausführungen [zu welchem Thema auch immer] gelesen. Ein wenig wiederholt es sich, aber das widerspiegelt gut die murmeltierhaften Tageswiederholungen während des Fortschreitens einer Demenz; exakt das kenne ich gut aus meiner Arbeit in der Demenztagesstätte in KL.

"Er ist ein Mensch, und er bleibt ein Mensch - allen Einschränkungen zum Trotz, und ich lerne, was ein Mensch auch sein kann."

Ein höchst empfehlenswertes Buch für alle Menschen unter den Menschen.

22. April 2016

Andreas Wagner: Arrival of the fittest

Wie der Titel schon andeutet, geht es um Evolution, aber eben nicht nur bzw. ganz [sonst hieße es ja "Survival", ne?]. Nein, es geht hier im Kern nicht darum, wie sich Gutes durchsetzt, sondern darum, wie und warum es überhaupt erst entsteht im Pool der Möglichkeiten!

Ziemlich viel [für mich Noob relativ kompliziertes Zeug] über Enzyme und Proteine und Aminosäureketten und Peptide und Tertiär- und Sekundärstruktur und Genotypen und deren Phänotypen undsoweiterundsofort. Nichtsdestotrotz interessant, ich habe es geschafft. Ein Buch, das [ganz anders als zB Bienendemokratie von Thomas D. Seeley, das von vorn bis hinten geschmeidig und wundervoll durchläuft!] erst im Laufe der sich ein klitzekleines bisschen zu oft wiederholenden Kapitel gegen Ende dann doch sehr in Fahrt kommt.

Durchhalten lohnt, hab ich gerade gedacht [und angefangen zu tippen] - denn das Finale ist furios. Erkenntnis über Erkenntnis, jedenfalls für mich. Kurz gesagt läuft es darauf hinaus, dass die irre Komplexität des Lebendigen eine unterliegende [bibliotheksordnungsartige] Struktur quer durch alle Bereiche besitzt, die so ganz anders ist, als es menschliche Logik sich wünscht. Vernetzte Gitter oder verwobene Netze, wer weiß das schon so genau... Voll von Komplexität und [scheinbarer] Redundanz, die aber beide unbedingt notwendig sind für the one and only: Robustheit. Und ohne die sich wiederum die Pfade der Bibliothek[en] für nichts und niemanden erschließen würden. Word. [Denn, "Spoiler": die Umwelt bleibt nicht immer gleich - Robustheit ist ein must-have.]

Achso, und dass die Entstehung des Lebens eine Mischung aus Ursuppen- und Reagenzglasgeschichte gewesen sein muss, lernt man im Buch auch. Cool, oder?

PS: Das hier [instagram.com] ist ein Ausschnitt aus dem Cover-Foto, plus persönlicher Widm Anmerkung von mir. He. Hehe.

6. Februar 2016

Overload

Schnell schnell, morgens packe ich noch in Vorbereitung auf den bar zu bezahlenden Friseurtermin meine Visa-Karte ein und gehe zur Arbeit. [Seitdem ich jeden Tag 1.1km zur Arbeit laufe, bin ich meist ohne Portemonnaie unterwegs und genieße die Leichtigkeit.] Dort angekommen wird mir 6h lang der Kopf gequirlt, oder ich quirle selbst, wer weiß das schon - wegen Freitag ausnahmsweise nur bis gut 14 Uhr.

Ich breche hastend auf zum Friseurtermin, bin gerade los und schon etwas knapp dran, als mir auffällt, dass ich GAR KEIN PORTEMONNAIE mit habe und also vorher auch noch nach Hause muss, um das zu holen!1 Der Technik sei Dank rufe ich im Laufen Friseurin Sommer an und frage sie, ob ich lieber etwas zu spät, aber mit - oder pünktlich und ohne Geld kommen soll [könnte ich ja danach holen]. "Nein, lieber mit." Na, versteh' ich. Noch im Auflegen realisiere ich, dass ich [ok] nicht das Portemonnaie mit habe, aber ja DIE KARTE, so dass ich nicht nach Hause, sondern nur einen kleinen Umweg machen muss, nämlich zur dem Zielort recht nahegelegenen Bank.

Nachdem das alles erledigt ist und ich mit Geld pünktlich zur angesagten Verspätungszeit in den Salon stürme und mir die Jacke vom Leib reiße... ; entdecke ich, festgeklippt an meiner linken Jeanstasche, mein Firmenhaustelefon.


Ist wohl bisschen viel zur Zeit.

12. Januar 2016

11 Fragen an die Allgemeinheit

Frau Novemberregen fragt:
[... und siezt, obwohl wir uns mittlerweile duzen, aber weil sie ja die Allgemeinheit adressi etc. pp...]

Finden Sie, so im Schnitt, Sie haben es schwerer oder leichter als die meisten Leute, die Sie kennen?
Ich finde, ich habe es leichter. Unter anderem, weil ich so enorm pragmatisch bin [sein kann!].
 

Wann haben Sie das letzte Mal laut gelacht? 
vorhin [immer vorhin!], zusammen mit dem Mann

Worüber?
Über das seit Stunden andauernde Gebore und Gefräse und Gemeißele vom Balkon obendrüber, der gerade gemacht wird, weil da was undicht war und wir deswegen eine Wasserproblemzimmerdeckenecke haben.


Was ist für Sie aktuell das schwerwiegendste gesellschaftliche Problem?
"Das geht mich nichts an."


Was tun Sie ganz persönlich, um es einer positiven Lösung zuzuführen?
Ich versuche, möglichst viel Mitmenschlichkeit um mich herum zu vermitteln und aufzuzeigen.

Wie finden Sie die Schuhe?
Kunstfell in jeder Ausführung zieht bei mir nicht so.

Wie finden Sie Klopstock? 

Gedichte sind für mich wie Sekt, siehe unten, wobei der Champagner dort für einzelnes von Rilke und Fontane steht.
 

Wie finden Sie rosa Sekt (trocken) mit O-Saft in großen Wassergläsern? 
Sekt jedweder Couleur lehne ich ab. Wenn [und das wirklich äußerst selten, bisher zweimal!], dann ziemlich teuren Champagner.
 

Wovor hatten Sie mal Angst aber haben keine mehr?
Ich fragte soeben nach langem Überlegen den Mann, der wiederum nach kurzem Nachdenken sagte: "Du bist relativ unerschrocken, da ist es schwierig, etwas zu finden..." - ich schiebe also.
 
Wie stehen Sie zu Kaktehen? (Entschuldigung...) 
Sukkulenten sind meine Rosen. Ich mag Pflanzen ohne Blüten, insbesondere ohne bunt, daher focht es mich ein bisschen an, dass die paar Nur-Grünpflanzen, die ich letzten Sommer für den Balkon zwecks Augenberuhigung aussuchte, alle, ich wiederhole: alle in ausdrucksstarken Farben munter vor sich hin blühten.

Was wollten Sie noch sagen, alternativ: was wollten Sie noch wissen?
Im Ernst? Was die Welt im Innersten zusammenhält. Aber ich bin dran.

PS: Ich finde immer mehr zu mir, jetzt echt und ganz ohne Eso-Quatsch!! Älter werden ist geil [tut aber weh].

16. August 2015

Hypothese

„Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“ sagen Menschen, die kein Grundvertrauen in sich und/oder andere haben, denen Mut und [Selbst-] Vertrauen also nie von Eltern/Freunden/... vermittelt oder auch "vom Leben" und/oder unzuverlässigen Menschen wieder „abtrainiert“ wurde.

11. Juli 2015

Über Schubladen und Eigenverantwortung.

Bei der Europawahl im letzten Jahr waren viele sehr besorgt über den Rechtsruck in Europa, der sich durch das Emporkommen einiger dem rechten politischen Spektrum zuzuordnenden Parteien zeigte. Unter anderem auch durch die griechische Partei Chrysi Avgi, zu deutsch: Goldene Morgenröte; diese zog im Mai 2014 mit 9.3% ins EU-Parlament ein [alle Links: wiki].

Ich wunderte mich gerade kurz darüber, dass heute, 2015 wiederum die Linken Griechenlands in Form der herrschenden Syriza [oh! nicht gewusst: zusammen] mit ANEL unter Alexis Tsipras das Land dazu bringen, mit rund 60% der Bevölkerung auf die linke Seite zu springen. Hatte ich doch den Griechen in meiner Unkenntnis seit dem letzten Jahr eben eine gewisse Rechtslastigkeit unterstellt. [Absurd, aber so ticken Gehirne ja leider häufig.]

An dieser Stelle müsste eine wohl tiefer in der Historie Hellas der letzten Jahr[zehnt]e graben - ein schneller Check quer durch Wiki hat mir gezeigt, dass Griechenland sozialdemokratisch / konservativ-liberal regiert wurde, also nix mit extrem.

Extrem ist ja oft nicht so gut - aber ist gemäßigt geradeaus denn immer die beste oder gar richtige Richtung? Lassen sich Richtungen überhaupt strikt in nur drei Kategorien einteilen? Nein - aber im Nachhinein natürlich. Womit wir genau da angekommen sind, wo es in der Regel beginnt, unangenehm zu werden, jedenfalls für mich.

Denn

dass ein Kategorisieren nicht unnütz, sondern häufig sogar notwendig ist, um gescheit überlegen und diskutieren zu können wie Schachspieler, die anstatt einzelner Spielzüge verschiedene Figuren-Konfigurationen benennen lernen und nur auf diese Weise Teile eines Spiels im Voraus durchdenken und Züge gegeneinander abwägen können, liegt auf der Hand.

Aber

jede gute Schachspielerin kann auf Nachfrage die aufeinanderfolgenden Konfigurations-Kombinationen in singuläre Figurenbewegungen zerlegen. Und eben das sollte man [ich, du, alle] auch bei jeder einzelnen Schubladenverwendung können. Zumindest anstreben.