14. Juli 2019

Geschenkegedanken.

tl;dr [wiki]: Nähe und Zusammenhalt sind erstrebenswert und können durch bedachte Geschenkauswahl implizit gestärkt werden.

In Kaiserslautern hab ich mit > 5 Frauen regelmäßig Kleidertauschparties veranstaltet. Wir waren alle unterschiedlich, sowohl gebaut als auch vom Stil her - aber das ist, wie ich mittlerweise weiß, irrelevant für den Erfolg und das tolle Gefühl nach solchen Treffen. Persönlich mag ich, dass ich, wenn ich Kleidung oder Schmuck von Freundinnen [oder auch nur gern gesehenen Bekannten] trage, die Person dichter bei mir habe, sie auf diese Weise in meinen eigenen Alltag mitnehmen kann. Das fühlt sich gut an.

Über die letzten zwei oder drei Jahrzehnte hat sich in meinem Umfeld das Schenken von Gutscheinen verstärkt. In meiner Familie auch, allerdings vor allem mit gemeinsamem Veranstaltungsinhalt [fast egal was: Besichtigung einer industriellen Produktion, Besuche in großen Zoos oder auch von kleinen Städten...]. Unabhängig davon, dass wir im Moment den Gutscheinevents hinterherhinken, bieten die dadurch entstandenen Ausflüge und auch kuriosen Treffen tolle Erinnerungen und Erfahrungen, nämlich gemeinsame. Das ist schön.
- Für Arbeitskolleginnen, die ich kaum kenne, sind Gutscheine aller Art natürlich nach wie vor die Option der Wahl, weil man unbekannt schenkend ja auch so viel falsch machen kann!

Die reinen Geldgeschenke, die ich insbesondere während der Teenagerzeit von allen Seiten bekam, waren nur in dieser für andere unberechenbaren und eigentlich immer alles lieber "selbst/alleine entscheiden und machen" wollenden Zeit für mich passend. Schließlich wusste ich da selbst nicht, was ich nächste Woche wollen oder gar morgen gleich dringend brauchen würde. Wenn zB meine Eltern mir/uns heute Geld für zB eine Küche bezuschussen, die längst bezahlt ist, ist das generell zwar immer noch super, das Geld fließt implizit natürlich auch irgendwie dahin... ABER: wenn nicht sofort etwas anderes, möglichst [in diesem Beispiel] küchenverwandtes, definiertes Stoffliches für das Geld gekauft wird, hat das Geschenk in der Erinnerung nicht zu hundert Prozent stattgefunden, habe ich für mich festgestellt. Und das ist schade.

Ansonsten: Bücher gehen bei mir immer. Witzigerweise ist es für mich völlig ok, eine lange Buchliste zur Auswahl zu stellen - und dann zu sehen, was daraus für die Schenkerin als passendes Geschenk für mich ausgewählt wurde. Sagt ja eben etwas über die Person selbst und ihre Sicht auf die Beziehung zu mir bzw auf mich als Mensch aus! Sehr interessant. Das Buch verbindet mich beim Lesen dann mit dieser Person, ich spreche hinterher mit ihr über den Inhalt und wir teilen wieder ein Stück Gedankenwelt mehr. Das verbindet.

Genauso schön wie die empfundene Nähe beim Lesen eines geschenkten Buchs oder beim Tragen eines getauschten Pullovers ist auch das Kohärenzgefühl bei der Nutzung von sonstigen stofflichen Nutz-Geschenken von lieben Menschen, ob ich die Sachen nun oft oder eher selten in der Hand habe. - Immer, wenn es mir selbst gelingt, sowas für andere zu finden, geht es auch mir total gut. Win-win.

Gedankengeschenke sind einfach die besten.


PS: Ab sofort sind das männliche und alle anderen Geschlechter hier im Blog immer mitgemeint, zwecks besserer Lesbarkeit nutze ich nur noch die weibliche Form. [Ähnliches steht auch vor allen meinen Seminararbeiten für die Uni. Hö hö.]

1. Januar 2019

Introspektive.

Ich war auf einer Party mit dem Titel Konfettiliebe [<3] und so sah ich da aus, ganz rechts [instagram]. Am Anfang war es scheiße weil wegen schlechter Musik, leer und es war eine Mischung zwischen Schul- und Studentenparty, später wurde es dann großartig, weil einfach alles passte.

Auffällig war der ca. 19jährige Typ, der sich mit der im Schwarzlicht leuchtenden Schminke von den Mädels im Eingang die Augen umranden lassen hatte [quasi alle anderen hatten Punkte im Gesicht]. Er lachte nicht, redete mit niemandem, stand und saß stundenlang allein in der Gegend rum, ohne etwas zu trinken. Und guckte neutral. Ab und zu kritzelte er einen Liedtitel auf die Pen and Paper-Wunschliste vor dem DJ, das erste verifiziert von ihm dort geschriebene Wort war "Loneliness", und ja, in Anführungszeichen. In seiner spröden Art, Teil dieser Party zu sein, war er mir von Anfang an sympathisch.

Ich tanzte ohne Ende, trank Mexikaner und war auch sonst top in Form. Irgendwann passte es gerade, also ging ich zum Grufti, stellte mich neben ihn mit dem Rücken an die gleiche Thekenkante und "Darf ich dich mal was fragen, interessiert mich, echt - hast du überhaupt Spaß hier?! Du stehst die ganze Zeit rum, tanzt nicht... hast du überhaupt Spaß?" Ich lasse ihm Zeit mit der Antwort, gucke nach vorn auf die anderen Menschen und lehne weiter entspannt an der Theke.

Er nach kurzer Zeit: "Ich hoffe immer, jemanden zu treffen." Darauf sage ich lieber nichts.

Beim schweifenden Blick über die Tanzenden und Schnatternden muss ich grinsen und es fällt mir doch noch etwas ein, das ich fragen möchte: "Menschen sind schon lustig, so, findest du nicht?" Ich nicke in Richtung aller da vorn. Er stimmt zu und - lächelt. Die Musik wechselt abrupt in Richtung supertanzbar, ich "Sorry, dazu muss ich jetzt! ... "; er entschuldigt und ich tanze weg.

Sehr viel später hatte ich meine beiden Begleitungen an andere verloren [sowas macht mir nix]; ich tanzte erst ein bisschen mit der anonymen Menge und stellte mich dann nochmal neben Grufti, denn den kannte ich ja schon.

Wir redeten wieder, ohne uns anzugucken, erst ich: "Ich war noch nie hier - du?" "Doch, schon öfter. ... Kommst du denn nicht aus Hannover? Woher kommst du?" "Ich komme aus Oldenburg. Zwischendurch war ich lange in Kaiserslautern, Hannover gefällt mir aber besser. - Woher kommst du denn?" Er: "Eigentlich aus Sachsen-Anhalt, ich bin aber schon seit 12 Jahren hier in Hannover. - Ich überlege, nach Bremen zu ziehen. Wie findest du Bremen?" Was für eine Frage. "Bremen mag ich nicht, da kommt mein Papa zwar her, ist mir aber zu viel Industrie und Großstadt, Hannover ist schöner ... nee, Bremen ist nix für mich. - Warum magst du Bremen?" Darauf kam leider nix mehr, hatte er sich wohl noch gar nicht richtig überlegt. Wir waren uns wenigstens noch kurz einig, dass es auch schon ganz schön spät ist [3:43 oder so war's]...

Nach längerem Schweigen kam er irgendwo zwischen Geradeaus- und Seitenblick mit "Ich mach' mich jetzt auch mal auf den Weg!", ich "Ok, klar, tschüss!", er "Tschüss!", und weg.

Das war eine echt angenehme Party-Begegnung, was meine Begleitungen nicht verstanden haben, glaube ich. Aber was soll ich sagen, außer [wie immer schon und immer mehr]: Ich mag Menschen. - Auf ein total menschliches 2019!



PS: Neues Jahr, neues Glück. Ab Februar wird täglich gebloggt, "Aber obacht: it's Klausurenphase, man!" [youtube].